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Ebbse
rief mich im August an und fragte, ob ich Lust hätte, die neue
1000er Suzuki zu testen. Er hätte eine bei der Fa. Powerpoint
in Ellwangen für den Test auftreiben können. Die 1000er
GSX-R für einen Test. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit,
da ich mich im Umzug befand. Andererseits wollte ich diese Maschine,
die ja in der Presse und im TV in höchsten Tönen gelobt
wurde, schon mal fahren.
Ok,
ich machte die Sache klar und konnte dank gutem Wetter die Maschine
über vier Tage verteilt immer wieder zwischen zwei Fuhren Umzugskartons
fahren. Um ehrlich zu sein muss ich gestehen, das an diesen vier
Tagen das Umzugsgeschehen schlagartig
in den Hintergrund rückte, nachdem ich die Maschine beim Powerpoint
abholte.
Das
"Warum" muss ich nicht extra erklären, denn jeder
weiß mittlerweile, dass die Daten dieser Maschine schon eine
eigene Sprache sprechen. Ich möchte hier auch gar nicht auf
die Technik im Konkreten eingehen, denn die kann sich jeder aus
seinen ihm zugänglichen Quellen holen.
Nein, ich möchte ganz schlicht über meine Fahrerfahrungen
berichten.
Als
ich vor der Maschine stehe, denke ich mir, dass die ganz schön
gedrungen aussieht und somit bestimmt für die Handgelenke die
reine Folter werden wird. Einige Sekunden später sitze ich
drauf - nein - in der Maschine und fühle mich auf den ersten
Moment hin schon wohl. "Klasse", denke ich mir, starte
den Vierzylinder und bekomme einen vollmundigen Sound aus dem originalen
Titankamin zu hören. Wirklich ein Sound, der meiner Meinung
nach gar nicht verändert werden muss.
Bullig
schiebt das Aggregat die 195 kg leichte Fuhre nach vorne. Leichteste
Dreher am Gas werden unvermittelt mit sattem, jedoch beherrschbarem
Vorschub beantwortet.
Auf der Landstraße, endlich im Revier, taste ich mich so langsam
an die Möglichkeiten der Maschine heran. Ich habe das Gefühl,
dass hier alles passt. Die Sitzposition ermöglicht recht stressfreie
Fahrt, da ich nicht unbedingt ein Luftpolster von vorne brauche,
um die Handgelenke zu entlasten.
Dann
der erste LKW. Ich bin im sechsten Gang bei knapp 80 Sachen, drehe
kurz am Hahn, werde nach vorne mit stets wachsendem Druck geschoben.
Als ich am LKW vorbei bin, muss ich wieder heftig einbremsen, um
in den erlaubten Speedbereich hinein zu kommen. Unglaublich, wie
die Suzi mich im letzten Gang nach vorne schob.
Nach weiterer (Schleich-)Fahrt interessierte es mich nach einigen
Kurven dann schon mehr, wo die Suzi mir Grenzen aufzeigen würde.
Ich
forciere meine Gangart und koste diese vehemente Beschleunigung
in den unteren Gängen ab 8000 Umin aus. Was die 1000er hier
zu leisten imstande ist, kann gut mit dem Abfeuern einer Rakete
verglichen werden. Explosionsartig schießt sie nach vorne
und zeigt vollkommen klar an, wo bei ihr der Hammer hängt.
Es entsteht auf dem Gesicht dieses zufrieden- adrenalingeschwängerte
Grinsen mit dem glänzenden Blick. Es ist plötzlich nichts
mehr so richtig wichtig - außer mit der Power-Lady der Leidenschaft
zu fröhnen, der ihr beide in der Lage seid, auszukosten. Man
kann es auch platt sagen: es geht die Post ab, du drehst am Hahn,
die Suzi rennt, zieht, drückt und scheint davon nicht genug
zu bekommen. Schließlich hat sie noch Reserven an Leistung,
das Fahrwerk fühlt sich leicht gekitzelt und die Bremsen leicht
angestreichelt.
Diese
Maschine ist auf der Landstraße auch bei zügiger Fahrt
nicht an die Grenzen zu bekommen. Alles, aber auch wirklich alles
bleibt im grünen Bereich ... wenn es da nicht das Menschliche
an dem Gespann von Suzi und ihrem Fahrer gäbe. Schließlich
steuert er.
Merkt er erst Mal, dass das Fahrwerk keinerlei Unruhen, auch bei
heftigem Gasaufreißen in Schräglagen, bei gnadenlosen
Bremsattacken nach wiederholtem suizidalen Geschwindigkeitsüberschuss
vor oder gar schon in der Kurve, oder bei den in diesem, unserem
Lande typischen Asphalt_Patchwork erzeugt, kann es sein, dass er
schnell Hochgefühle bekommt und sich in Geschwindigkeits- und
Beschleunigungsregionen wagt, die eigentlich der Rennstrecke vorbehalten
sein sollten.
Ich
habe es mitbekommen, dass auf einer im fränkischen viel befahrenen
Feilstrecke die Suzi selbst im dritten Gang so viel Beschleunigungskräfte
ans Hinterrad weiterleiten kann, dass dieser in seiner Haftung schnell
überfordert ist. Folge war ein Sturz mit komplettem Verkleidungs-
und Auspuffschaden.
Ich
möchte sagen, dass jedem, der diese Maschine fahren möchte,
klar sein muss, dass ein Stück Selbstdisziplin schon dazu gehört.
160 PS haben halt nur 195 kg Leergewicht zu bewegen. Das sind pro
PS knapp 1,3 kg.
Da
kommen Kräfte auf, dass es schon sein kann, wenn man im dritten
Gang voll aufzieht, dass bei 180 Sachen und einer kleinen Bodenwelle
das Vorderrad schnell den Boden verlässt und man sich bei 200
im Wheelie bewegt.
Absolute
Spitzenklasse das Verhalten der Suzi in langen Kurven. Selbst bei
Geschwindigkeiten jenseits der 250 zieht sie stur ihre Linie, die
ich ihr vorgebe. Einlenken erfordert etwas Kraft und Nachdruck.
Korrekturen danach sind selten notwendig, da sie sehr zielgenau
auf Linie gebracht werden kann. Enge Kurven-kombinationen erfordern
etwas Nachdruck. Aber wohlgemerkt - etwas. Sie ist insgesamt sehr
gutmütig zu lenken. Die Bremsen lassen sich fein dosieren und
beißen bei Bedarf brachial zu. Müssen sie auch, denn
es gilt eben die vorher beschriebene Leistung in Zaum zu halten.
Mich
überrascht bei flotter Fahrt über kleine wellige Sträßchen,
dass ich nicht total weichgeschüttelt werde. Für einen
Supersportler verhält sich die Suzi angenehm komfortabel und
schluckt kleine Unebenheiten sanft weg ohne auch nur eine Spur von
Schwammigkeit zu zeigen.
Der
Windschutz geht bis ca. 170 km/h ok. Drüber muss ich mich etwas
krümmen. Ab ca. 190 zieht der Sog den Kopf sanft nach unten.
Für mich mit meinem Waschbärbauch eine echte Entlastung.
Bleibt
noch zu erwähnen, dass die Instrumente alles bieten und klasse
ablesbar sind. Angenehm auch das hinten im Bürzel untergebrachte
Staufach, in dem meine komplette Digitalkamerausrüstung incl.
Geldbörse Platz findet.
Die
Suzi ist, wie ich finde, ein Gesamtkunstwerk. Das passt alles. Alles
wirkt in sich rund und ineinandergreifend. Auch die Bereifung "meiner"
Maschine mit den BT 010/011-Pneus passt sich in das Gesamtkonzept
hinein.
Man
muss sich nur überlegen, ob man so viel Power braucht, denn
sie will wirklich beherrscht sein. Dass dies geht, zeigt mir dieser
Test, denn trotz aller Supersportlichkeit bringt die Suzi dazu noch
Alltagstauglichkeit und Gutmütigkeit wie ich sie bei Supersportlern
bisher nur von einer Fireblade her kenne.
Tja,
wenn ich jetzt 24.000.- DM hätte, . . .
Stand:
15.10.2001
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