Ein schöner
sonniger und vor allem warmer Frühlingstag brach an, als ich mich zum Abholen der Laverda
750 S Formula rüstete. Bei Andreas Schilling in Wilburgstetten stand die Maschine schon
vor der Werkstatt in der Sonne und schien mit den ebenfalls dort stehenden Ducatis und
Guzzis um die Gunst der Kundschaft zu wetteifern. Obwohl Sportmaschinen nicht so ganz mein
Ding sind, gefiel sie mir gleich auf den ersten Blick, denn sie strahlt Individualität
aus. Eine saubere Linienführung, unterstrichen durch die Zweifarbenlackierung, läßt die
Laverda kompakt und sportlich erscheinen. Man bekommt Lust, sich draufzusetzen und
loszubrettern.
Die Formula ist praktisch das Einpersonen-Heizgerät der sportlich ausgelegten 750er Serie
von Laverda. Die 750 Sport bzw. 750 Super Sport sind auch für den Soziusbetrieb
ausgelegt, doch sollte sich eine potentielle Sozia überlegen, vielleicht selbst den
Führerschein zu machen und dann auf eine eigene Maschine zu steigen, denn die
Sitzposition darf durchaus als sehr sportlich und gefaltet beschrieben werden. Also, wie
bei Supersportlern bekannt befindet sich hinter dem Fahrer eher ein Notsitz, auf den bei
der Formula gleich verzichtet wurde. Die Maschine unterstreicht in allen Details den
Sportcharakter.
Der muntere 4Ventil-Parallelltwin der Formula leistet satte 95 PS bei einem Drehmoment von
82 NM. Setzt man dazu das Trockenleergewicht von 186 kg in Beziehung, dürfte spätestens
jetzt klar werden, dass das Leistungsgewicht Vortrieb pur verspricht.
Die Italiener verpackten das munter pochende Doppelherz in einen Aluminium-Brückenrahmen
mit einer Kastenschwinge aus geschweißten Profilblechen. Er wirkt massiv,stabil, und bei
der Formula dazu noch edel in Hochglanzoptik. Übrigens verwenden die Laverdabauer den
gleichen Rahmen auch in der Sport und Super Sport. Laverda setzt darauf, bei verschiedenen
Modellen im Baukastenprinzip gleiche Teile zu verwenden.
Streicht das Auge über die Maschine beim betrachtenden Rundgang, fallen dem
Interessierten viele Kleinigkeiten auf, die z.T. durchaus der Veredelung der Maschine
dienen bzw. Fahrern unterschiedlicher Größen die individuelle Anpassung der
Bedienelemente ermöglichen. Carbonteile findet das Auge gleich im Cockpit am
Instrumentenhalter, der Analogtacho, Drehzahlmesser und Wassertemperaturanzeige (alle 3
weiß unterlegt) und zwei Reihen Kontolllämpchen aufnimmt. Die Endschalldämpfer haben
ebenfalls eine Carbonhülle erhalten. Sucht man den Bremsschalter der Fußbremse, wird man
diesen ebenfalls hinter einer kleinen Carbonabdeckung finden.
Die Hebeleien sind durchweg einstellbar genau wie die Fußhebel. Sie sind übrigens, wie
beide Fußrasten, per Excenter einstellbar, was ich gut finde, da nicht jeder die gleiche
Schuhgröße bzw. Beinlänge hat. Es ist schade, dass heutzutage diese Art von
Anpassungsfähigkeit nicht schon Standard geworden ist, da sie technisch nicht sehr
aufwendig ist und dem Einswerden von Pilot und Maschine dient.
Den Tankstutzen sucht man vor sich umsonst. Den haben die Konstrukteure mitsamt dem 19
Liter großen Kunststofftank unter den Heckbürzel bzw. die Sitzbank verlegt.
Ungewöhnlich und sicher ein Beitrag zur besseren Gewichtsverteilung.
Fahrwerksseitig fällt die stabil
wirkende und einstellbare Paioli-Upside-Down-Gabel ins Auge.
Nach kurzer Warmlaufphase machte ich mich dann mit der Laverda auf den Weg. Der Motor nahm
etwas verzögert das Gas an, machte dann aber gleich klar, dass ab 6000 Umin mit sattem
und beständigem Vortrieb zu rechnen sein muss. Vom fauchenden Antriebsgeräusch untermalt
steuerte ich die Maschine in Richtung der kleinen eng gewundenen Nebenstraßen, wo die
Laverda jedoch von sich aus lieber geradeaus wollte, denn sie forderte Nachdruck, um sich
in Kreisbahnrichtung bringen zu lassen. Diese Richtung hielt sie dann aber, unbeirrbar von
jeglichen äußeren Einflüssen, schnurstraks ein.
Störend empfand ich, dass sie unter 3000
Umin, eher eintopftypisch, ruckte und an der Kette riss, als ob es galt, mir klar zu
machen, dass ich ihr in jedem Fall den nötigen Freilauf gewähren sollte.
Bedürfnisorientiert wie ich bin, gab ich ihr, unterstützt durch häufige
Schaltvorgänge, wonach sie verlangte. Das wiederum war nicht lästig, sondern verschaffte
ungeahnte Spaßphasen in der doch sehr embryonal wirkenden Sitzhaltung. In den ersten
beiden Gängen hob sie dabei des öfteren einfach so ab 6000 Umin, bedingt durch
explosionsartigen Leistungseinsatz, das Vorderrad vom Boden.
Sicherheit pur vermittelten die Bremsen. Schwimmend gelagerte Gussscheiben
und Vierkolben-Brembos vorne sowie ein Zweikolben-Brembo hinten sorgen äußerst fein
dosierbar für die im Sportbetrieb notwendige Verzögerung, wobei ich gesetzeskonform den
Renneinsatz auf den bayersichen Landstraßen natürlich nicht testete.
Das Fahrwerk wirkt sportlich straff und kann vorne wie hinten auf jede Fahrweise
eingestellt werden. Hinten empfand ich das Schluckvermögen an Bodenwellen bei
entsprechender Dämpfereinstellung für eine Sportlerin als beachtlich. Beachtlich auch
der durch die klein wirkende Verkleidung ausgehende Windschutz. Bei höheren
Geschwindigkeiten wurde bei eingezogenem Kopf der Wind weitgehend über den Helm geleitet.
In aufrechter Sitzposition verschonte mich die Scheibe vor Verwirbelungen.
Angenehm auch das nicht störende Luftpolster vor dem Oberkörper, was die Handgelenke
entlastet.
Auch wenn ich nicht der klassische Sportfahrer bin, muss ich sagen, dass die Ausfahrt mit
der Laverda zu kurz war und mächtig Laune machte. Ich finde, dass Laverda damit eine
konkurenzfähige Alternative zum z.T. homogen wirkenden Konkurenzmarkt gelungen ist.
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