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Seit Herbst letzten Jahres ließ Honda für Nacktfahrer
einen neuen Stern namens X 11 am Bikerhimmel erleuchten.
Die Zutaten waren partiell schon vorhanden. Vor allem
der aus der Doppel-X bewährte und durchaus kraftvolle
Vierzylinder wurde für optimierten Drehmomentverlauf in
der Spitzenleistung auf 140 PS reduziert. Power pur ab
2500 U/min ist garantiert. Bis zur maximalen Drehzahl
kurz vor der 10000er Marke kein Schwächeln. Aufgrund des
bulligen Drehmoments genügen der ix eleven locker 5 Gänge.
Im 5. fragte ich mich anfangs, ob da nicht noch einer
fehlt, da mir der Anzug wirklich auch von der regulären
Stadtgeschwindigkeit (ich meine 50 km/h!) bis in Bereiche
jenseits der 200 mehr als genügte.
Mehr als
genügend empfand ich auch die Vmax-Möglichkeiten der Einfach-X.
Als Fahrer hat man sich nicht nur mit reißendem Anzug
auseinanderzusetzen. Der spätestens ab 160 km/h dazu kommende
immense Sturm von vorne trägt sein übriges dazu bei, dass
Beschleunigungsaktionen aus dem 3. Gang heraus in orkanbetoste
200er Geschwindigkeiten als Trainingsersatz fürs Fitnessstudio
anerkannt werden könnten. Windschutz bot die Instrumentenverkleidung
für meine 182 cm Körpergröße im Brustbereich. Drüber und
seitlich zog es mächtig. Ich fragte mich, ob Naked-Bike-Anhänger
genau das suchen, denn Spaß machte es mit der X 11 bis
ca. 160. Bis dahin ist alles gut erträglich. Was drüber
geht, dient der Lustbefriedigung, dem Ausprobieren und
dem Einfangen eines steifen Genicks.
Entsprechende Gashanddisziplin vorausgesetzt, läßt es
sich auch ganz entspannt mit der X 11 fahren. Weit nach
vorne gebeugt nimmt man auf der bequem anmutenden Sitzbank
Platz. Die Polsterung passt vorne wie hinten. Vorne fehlt
bei den Gashandattacken jedoch der Widerhalt für den Po
des Fahrers. Mit Synthetikhosen rutsch man irgendwann
unweigerlich nach hinten, was meine Beschleunigungsfreude
etwas (aber wirklich nur etwas!) einschränkte.
Große Freude machte mir das Fahrwerk. Den X-Konstrukteuren
gelang die Synthese aus Stabilität, Sportlichkeit und
(für diese Gewichtsklasse) leichtem Handling. Der Brückenrahmen,
der kurze Radstand, der knappe Nachlauf und nicht zuletzt
das Fahrwerk selbst ließen bei mir keinen Zweifel aufkommen,
dass die Maschine klar und zielsicher alle Straßenarten
und Fahrsituationen meistert. Die Fahrwerksdämpfung lässt
sich vorne wie hinten leider nicht einstellen.
Ich
fühlte mich sicher, nicht zuletzt auch wegen der, wenn
auch für mich gewöhnungsbedürftigen, Dual-CBS-Bremsanlage.
Ich hatte anfangs das Gefühl, ich müsse das Fußpedal sehr
kräftig treten, um ausreichende Bremsleistung zu bekommen.
Der rechte Druck kommt aber nach einigen Bremsmanövern.
Dazu auch das Umdenken, dass der rechte Fuß auch (vor
allem) die vorderen Stopper bedient. Bremsleistung bot
die Anlage immer genügend. Nur die Dosierbarkeit und das
Ertasten des Druckpunktes ließen meiner Meinung nach zu
wünschen übrig. Aber vielleicht ist es wirklich nur eine
Sache der Umgewöhnung.
Schaltfaulen Fahrerm
kann dieses technisch hochentwickelte Motorrad genauso
empfohlen werden wie Leistungspuristen oder Landstraßenräubern.
Letztere müssen sich halt zuerst mit 254 kg vollgetanktem
Leergewicht auseinandersetzen, die mit einem etwas zu
schmalem Lenker dennoch handlich und flott um die Ecken
gebracht werden können.
Banditen und Maxen, nehmt euch in acht, wenn ihr im Rückspiegel
das helle Leuchten des neu entwickelten Scheinwerfers
und drunter die breiten Lufthutzen des Kühlers sichtet.
Spätestens jetzt wisst ihr, dass die Power-X von hinten
naht. Bullig in der Silhouette zeigt sie die Muskeln,
die ihr Bezwinger braucht, wenn er das Angebot der 113
NM auskosten mag.
Das Gefühl für das Geschehen hinter der X 11 geht dem
Fahrer fast völlig abhanden. In den Spiegeln der Honda
sind meist nur die eigenen Schultern zu sehen. Man könnte
meinen, die Hondaentwickler hätten hier gespart mit dem
Hintergedanken, dass das rückwärtige Geschehen für den
Einzel-X-Fahrer sowieso nicht von Bedeutung sein kann,
da er mit dieser Fahrmaschine dem restlichen Fahrvolk
das nicht minder bullig wirkende Heck zeigen wird.
Jedoch Leistung ist nicht alles. Sicher gibt es noch wesentlich
handlichere Maschinen auf dem Markt, die mit weniger Gewicht
und guter Fahrwerksabstimmung bei der Kurvenhatz das Leistungsmanko
wieder wett machen können.
Dennoch:
die X 11 empfinde ich als eine gelungene Neuerscheinung
in der etwas konservativen Naked-Bike-Sparte.
Stand: 24.09.2001 
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