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Fahrbericht Honda CBR 1100 XX Super Blackbird

Text und Bilder: Ralf Kistner
Es ist immer die gleiche Rechnung: wer entspannt und zügig von
A nach B kommen möchte, braucht ein Verkehrsmittel, auf das man
sich in allen Situationen verlassen kann und das einem nicht auf der
Tour selbst schon alle Energie nimmt. Das Verkehrsmittel sollte schnell
sein, um für die Fahrt nicht zu viel Zeit zu verplempern. Es sollte
bequem sein, dass man am Ziel frisch ankommt. Es sollte genügend
Sicherheit bieten, damit man überhaupt ankommt. Und wenn dessen
Nutzung letztlich auch noch Spaß macht, ist das Ideal gefunden
worden.
Honda warf 1997 die Doppel-X mit 164 PS als schnellstes Serienbike
auf den Markt. Zwar schrumpfte die Leistung seit Einsatz einer Einspritzanlage
auf 152 PS zusammen, doch verlor die Honda CBR 1100 XX Super Blackbird
nichts von ihren bis dato von vielen XX-Fahrern geschätzten Allroundeigenschaften.
So konnte es ihr auch nichts anhaben, als die Hayabusa oder ZX 12 R
erschien, die ihr in Punkto Leistung lässig das Rücklicht
zeigen können. In Vergleichstests hat sie ihre Qualitäten
stets mit erstklassigen Plazierungen unter Beweis gestellt. Mich interessiert,
inwieweit die etwas in die Jahre gekommene XX mit dem mittlerweile hochtechnisierten
Niveau aktueller Modelle mithalten kann.
Eine Double-X wurde mir dankenswerterweise von der Fa. bike4all in
Weißenburg zu Testzwecken zur Verfügung gestellt, wo sie
nebst der aktuellen Honda-Modellpallette besichtigt und Probe gefahren
werden kann.
Der
Motor surrt turbinenartig los, als ich ihn starte. Kein Choke, sondern
die von Honda entwickelte Kraftstoffeinspritzung namens PGM-FI sorgt
für richtiges Gemisch in allen Drehzahlen und bei allen Temperaturen.
Direkt gleich die Gasannahme. Der erste Gang flutscht richtiggehend
in seine Position mit kurzem Klacken.
Die Informationszentrale lässt keinen Wunsch offen. Mittig sitzt
der analoge Drehzahlmesser, rechts davon ein großer digitaler
Tacho. Links befindet sich ein Infopanel mit Gesamtkilometern, zwei
Tripzählern, Wassertemperatur, Tankanzeige und Zeituhr. Alles ist
deutlich und leicht ablesbar.
Die XX surrt vor sich hin. Kurze Gasstöße lassen einen ganzen
Stall voller bewegungssüchtiger Rennpferde vermuten. Gewaltig schon
das bei Standgas vorhandene Anfahrdrehmoment. Ich brauche kaum Gas geben,
um die Maschine auf Tempo zu bringen. Schnell in den sechsten Gang geschaltet
und dann mitschwimmen auf der B 2. Bei Treuchtlingen biege ich ins Schambachtal
ab. Es geht Richtung Suffersheim. Einige Links-Rechts-Kombinationen
kann ich ohne runterschalten und abbremsen einfach durchwedeln, wobei
ich die CBR leicht am Gas halte. Sie braucht lediglich etwas Zug am
Lenker, um auf Linie gebracht zu werden.
Bei der nächsten Kombination, die mit etwas weiteren Kurvenradien
aufwartet, gase ich etwas mehr an. Die XX zieht unvermittelt an, lässt
sich dabei aber äußerst fein dosieren. Auch das klappt wunderbar
und ohne zusätzlichem Kraft- bzw. Adrenalinaufwand. Ich bin begeistert,
denn schließlich bewege ich hier knapp 260 kg Leergewicht.
Dann
eine längere Gerade. Ich gestehe, dass ich kurz richtig Stoff gebe
- immer noch im 6. Gang. Und der schwarze Supervogel geht in den Sturzflug
über. Der digitale Tacho scheint mit dem Nachzählen der km/h
nicht nachzukommen. Die Landschaft fliegt vorbei bis zur nächsten
weiten Linkskurve, die ich wieder zahm angehe aufgrund ihrer Unübersichtlichkeit.
Hinter Suffersheim nochmal wunderbare Kurven mit wunderbarem Belag.
Hier probiere ich es mit dem dritten Gang, der bis zum Ende des Tals
drin bleibt. Da ist dann schon gehörig was los beim Angasen. Ohne
spürbares Leistungsloch drückt die XX nach vorne und lässt
Erinnerungen an ihren Namensgeber, dem Mach 3-Jet Lockheed SR-71, wach
werden. Es ist nicht so, dass die Leistung irgendwann mal so richtig
einsetzt. Nein, sie ist einfach immer da und steigert sich sozusagen
stufenlos ab 6000 Umin nochmal bis hin an den Begrenzer bei 11500 Umin
ohne mich mit Vibrationen zu torpedieren. Zwei Ausgleichswellen schlucken
alles weg und geben diesem Triebwerk eine traumhafte Laufruhe. Da ist
die Leistung dann irgendwann auch kein Thema mehr, über das man
nachdenken oder reden muss. Sie ist einfach da und stets unspektakulär
abrufbar.
Auf meiner Hausstrecke geht es dann richtig zur Sache. Der aufgezogene
Dunlop Sportmax kommt mächtig ins Schwitzen und beginnt beim Herausbeschleunigen
schwarze Linien zu ziehen, obwohl ich "nur" im dritten bei
90 km/h, aber kurz vor dem Rastenkratzen, das Gas zum herausbeschleunigen
aufziehe. Ich denke, dass Bridgestone BT 010 für Extremfahrten
die bessere Wahl darstellt. Ansonsten harmoniert er wunderbar mit der
XX und unterstreicht das scheinbar federleichte Handling.
Auf der Wheelie's-Tour im Juli 03 kann die CBR auf den kleinen welligen
Landsträßchen auf der Schwäbischen Alb meine Sozia und
mich über ihre Komfortqualitäten überzeugen. Die Sitzposition
ist hondatypisch ergonomisch gelungen.
Sie sitzt wie angegossen für kleine wie große Fahrer. Der
voluminöse Tank fordert jedoch etwas lange Arme. Die Rasten sind
auf beiden Plätzen in bequemer Höhe positioniert. Und das
so wichtige Polster macht auch nach 200 km nicht schlapp.
Angenehm der Windschutz, der ohne Verwirbelungen am Helm das Gröbste
weghält. Über 200 km/h muss man sich etwas in gebückte
Büßerhaltung begeben.
Die feinen Fahrbahnunebenheiten werden von der Double-X weitgehend
herausgefiltert. Grobe gibt sie gedämpft ans verlängerte Rückrat
weiter. Auf der Heimfahrt von der Tour haben wir es wg. eines Termins
etwas eilig, so dass diese Landsträßchen zügiger überflogen
werden müssen. Auch hier mit Sozia überzeugt die CBR mit leichtem
Handling und überragender Fahrstabilität. Bodenwellen meldet
sich zwar weiter, doch lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen.
Das schafft Vertrauen ins Fahrwerk und letztlich in die Maschine. Ich
habe das Gefühl, weit ab von Stabilitätsgrenzen und Fahrwerksunruhen
unterwegs zu sein. Dieser Kompromiss zwischen Komfort und Sport ist
in der XX exzellent umgesetzt worden, so dass sie der Bezeichnung "Supersporttourer"
für meine Begriffe derzeit am Nähesten kommt.
Die
DUAL-CBS-Bremsanlage kann sich auch über jeden Zweifel erhaben
zeigen. Der Druckpunkt muss immer wieder mal ertastet werden, jedoch
schafft es kein Problem, die Anlage sauber zu dosieren und bei Bedarf
ankermäßige Verzögerungswerte herbeizuführen. Lediglich
bei sportlicher Gangart im richtig heißen Zustand lässt die
Bremsleistung durch Fading nach.
An der Tankstelle bin ich überrascht, wie sparsam die XX mit dem
teuren Brennstoff haushält. Mit 6,5 - 8 Litern können Tankwarte
bei dem 23 Liter fassenden Tank nicht zu Dauerfreunden werden. Bei Tourtempo
kann die 6 Liter-Marke unterschritten werden. Lasse ich die XX fliegen,
schluckt sie auch schon mal an die 9 Liter Normal bleifrei. Dies sei
ihr aber verziehen, denn schließlich lässt sie ihre kaum
spürbaren knapp 260 kg dann auch so richtig im Tiefflug durch die
Landschaft pfeilen und mir reichlich Spaß und Grinsen im Gesicht
aufkommen.
Fazit:
Die Double-X ist seit 1997 reifer geworden. Zeitgemäß mit
SLS und geregeltem Kat gehört sie nicht zu den Umweltsündern.
Sie wirkt unspektakulär und gediegen und kann dennoch so richtig
böse werden. Ihr Gesamtkonzept lässt viele Spielarten des
Motorradfahrens zu, ihre Verarbeitungsqualität und Ausstattung
lassen kaum Wünsche offen. Draufsetzen, sich wohl fühlen und
zum nächsten Tankstopp nach 300 km wieder absteigen, um sich auf
die nächste Etappe zu freuen, das könnte den typischen XX-Eigner
beschreiben. Man bewegt sie mit einem Gefühl der Gelassenheit und
Souveränität, die sie selbst auszustrahlen vermag, wenn man
alleine ihr Triebwerk startet.
Und es bleibt abzuwarten, ob und wann in der Honda-Modellpallette eine
komplett überarbeitete Nachfolgerin bereit stehen wird, um in dem
Supersporttourersegment neue Zeichen zu setzen. 
Und noch ein paar Bilder ...


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