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Fahrtest mit der aktualisierten
Honda Pan European ST 1300 ABS
Text: Ralf Kistner
Fotos: Ralf Kistner, Gitte Schöllhorn
Einige
der Wheelies-Leser werden sich noch an den Bericht zurückerinnern,
den ich über die 2002 komplett überarbeitete und nagelneue Pan
European ST 1300 schrieb. Leider hatte ich die Maschine nur über
das Wochenende zu einem Kurztest, sodass einige wichtige Bereiche nicht
testbar waren. Vor allem ging es um die Fahrstabilität im Geschwindigkeitsbereich
ab 200 km/h. Viele Eigner der 1300er Pan aus dem ersten Modelljahr klagten
über starkes Pendeln. Ein Problem der Eigenfrequenz des Motorrades,
wie sich herausstellen sollte.
Honda arbeitete eifrig nach und optimierte in einem ersten Nachbesserungsschritt
die Schwingenaufnahme, die durch Probleme beim Gießen in sich
unterschiedliche Wandstärken aufwies. Dadurch entwickelte die Maschine,
die aufgrund ihres Fahrwerkskonzeptes von Haus aus pendelanfälliger
reagiert, starke Schwingungen durch die Eigenfrequenz des Fahrzeuges,
was sich in beunruhigendem Pendeln ausdrückte. Das Problem der
Schwingenaufnahme wurde aufgehoben.
In einem zweiten Nachbesserungsschritt versuchte man, die Eigenschwingungen
des Fahrzeuges durch eine geänderte Motoraufhängung und eine
weiter optimierte Schwingenaufnahme zu unterbrechen.
Soviel zu den werksseitigen Änderungen. Der Alltagstest soll für
mich Klarheit bringen, inwieweit das Konzept aufgeht.
In
Offenbach hole ich "meine" Pan vom Presseparkplatz. Es herrscht
klassisches Aprilwetter mit allen Kapriolen. Zum Glück finde ich
eine trockene Fahrbahn vor, als ich in Richtung Aschaffenburg auf die
Autobahn einbiege. Im dritten Gang ziehe ich das Gas auf, lasse die
restlichen zwei Gänge fast wie von selbst einklicken und bleibe
am Gas. Nach überraschend kurzer Zeit überwandert die Tachonadel
die 240er Marke. Die Scheibe fuhr ich inzwischen per Knopfdruck in die
höchste Position. Ich muss mich wegen des Soges dahinter gegen
den Lenker abstützen. Das wirkt wie ein Rückenpolster, gegen
das ich mich beruhigt anlehnen kann. Nur die Kopfablage fehlt noch
Hinter der Scheibe stören wenige leichte Verwirbelungen die Ruhe
im Helm. Ich fliege und gleite gleichzeitig auf der linken Spur. Die
Tachonadel pendelt zwischen 230 und 245. Und die Pan lässt mich
die Szenerie genießen wie kaum ein anderes Motorrad bei diesem
Tempo. Woww.
Dann geschieht es plötzlich. Ich werde aus meinem Genussgleiten
herausgependelt. Eine lange Bodenwelle löst die berüchtigten
Bewegungen aus. Zuerst nur leicht, dann aber immer stärker, bis
ich vorsichtshalber nach einem kurzen Spiegelblick zwei, drei Mal stoßweise
an die Bremse gehe. Es hilft. Die Pan gleitet wieder.
Ich ziehe wiederholt über die 230er Marke hoch. Zum Glück
ist nicht viel los auf der Autobahn, sodass ich den Test ohne Bedenken
fahren kann. Bei der nächsten größeren Bodenwelle beginnt
das Prozedere von vorne. Pendeln, Stoßbremsen, Ruhe. Ich probier
das Ganze mit unterschiedlichem Tempo aus, um herauszufinden, ab wann
die Pan diese Unsitte zeigt. Die magische Grenze scheint bei 200 km/h
zu liegen. Drunter kann ich keine Pendelneigung mehr feststellen, auch
wenn ich sie zu provozieren versuche. Drüber taucht sie immer wieder
mal auf. Aber längst nicht mehr so stark wie beim ersten Modell.
Das Problem scheint somit noch nicht endgültig gelöst zu
sein. Dennoch sollte man mit einer Vorverurteilung vorsichtig sein,
denn das Pendeln tritt meiner Erfahrung unter bestimmten begünstigenden
Voraussetzungen auf:
" Tempo höher als 200 km/h
" Solofahrten mit leichtem Fahrer
" Lange Bodenwellen
Sobald ich mit Sozia oder mit gefüllten Koffern unterwegs bin,
gibt es kein Pendeln mehr.
Ich
möchte nun davor warnen, die 1300er Pan European als schlechtes
Motorrad abzustempeln. Wer das tut, weiß nicht, worüber er
urteilt. Schließlich wird der Durchschnittsfahrer nicht immer
alleine und über 200 km/h unterwegs sein. Ich traf Pan-Fahrer,
die von dem Problem gar nichts wussten oder es noch nie selbst erfahren
hatten, weil sie in diesen Temporegionen nie unterwegs waren.
Nach wie vor überzeugt die Pan European mit ihren komfortablen
Tourerqualitäten wie bisher kaum ein anderes Motorrad auf diesem
Planeten. Der fast verwirbelungsfreie und äußerst effektive
Windschutz mit dem elektrisch verstellbaren Windschild lassen auch auftretendes
Schmuddelwetter fast "draußen". Die aufrechte Sitzhaltung
in Verbindung mit entspannenden Kniewinkeln lassen auch lange Strecken
zum Genuss werden. Dabei kann es dem Fahrer egal sein, ob er auf der
Autobahn oder auf der Landstraße unterwegs ist. Die Pan überzeugt
auf fast jedem Terrain. Geländefahrten sollten mit ihr allerdings
vermieden werden ;-)
Die ausgeklügelte Gewichtsverteilung dient der Handlichkeit. Im
Stand ist das Gewicht ab und an spürbar. Rollt die Fuhre erst,
lässt sie sich fast so leichtfüßig wie eine kleine 500er
bewegen. Selbst auf den welligen kleinen Sträßchen im Jagsttal
hinterlässt die Pan einen überzeugenden Eindruck. Die Flickschusterei
nimmt keinen Einfluss auf eine vorgegebene Linie, der die Pan auch in
zügig gefahrenen Kurven treu folgt. Das Fahrwerk zeigt sich dabei
äußerst schluckfreudig und somit rückenschonend komfortabel.
Wer nun denkt, die Pan sei ein Altherrendahinschleicheinzimmerküchebad-Mopped,
der muss sich eines Besseren belehren lassen. Logisch kann die Pan für
diese
geruhsamen Genussfahrten genutzt werden. Jeder Landschaftsgenießer
wird mit ihr auf seine Kosten kommen. Wer 2002 auf der Tour nach Wheelies-Hirschling-Tour
dabei war, wird sich vielleicht auch noch an die äußerst
kurvenreichen Streckenabschnitte zwischen Altmühltal und Regensburg
und schließlich dem Regental selbst erinnern. Dort konnte ich
die Pan so richtig zum Kurvenwedeln hernehmen. Einige Sportfahrer waren
überrascht, was mit der Pan so alles machbar war. Und das hat sich
nicht geändert. Die Pan hat ausreichend Potenzial für fast
jede Gangart. Auf der Landstraße gibt es keine Situation, in der
ich mich mit ihr anderen Bikern gegenüber benachteiligt fühle.
Dazu trägt der überaus agile und drehmomentstarke V-4-Motor
mit seinen 1300 ccm Hubraum bei. Mit kaum spürbaren Vibrationen
drückt er die Pan mit einer satten Gewalt nach vorne. Welches 326
kg schwere Motorrad kann schon fast leichtfüßig einen Spurt
von 0 - 100 km/h in 3.0 Sek. hinlegen? Man bedenke, dass eine ZX 10
mit 175 PS und einem ca. 120 kg geringeren Kampfgewicht diesen Spurt
in 3.1 Sek hinlegt. Die neue BMW K 1200 S wurde auch mit 3.0 Sek getestet.
Der
Zahlenvergleich lässt ahnen, wie sich die Pan auf Touren in Szene
setzen kann. Die Kraft ist leicht beherrschbar. Lastwechsel sind kaum
zu spüren. Der Kardan verspricht wartungsfreien Vortrieb ohne Aufstellmomente
beim Gasgeben.
Die Instrumentierung lässt keine Wünsche offen. Es empfiehlt
sich aufgrund der Anzahl der möglichen Anzeigen das Fahrerhandbuch
zu lesen. Die Anzeigen sind großzügig proportioniert und
somit gut ablesbar. Jedoch stören bei starkem Sonnenlicht die Reflexionen
im LCD-Bereich rechts.
Die Bremsen neigen bei flotter Hatz zum Überhitzen und leichtem
Fading. Im Alltagsbetrieb überzeugen sie mit feinster Dosierbarkeit
und satter Verzögerung. Allerdings muss dafür relativ viel
Handkraft aufgewendet werden.
Selbstverständlich verfügt die Pan über das Dual-CBS-Bremssystem,
das bei Betätigung des Handhebels auch das Hinterrad mitbremst.
Allerdings bremst bei der Betätigung des Fußhebels das Vorderrad
mit, was ich noch immer als gewöhnungsbedürftig empfinde.
Das ABS gehört zu den besten Motorrad-ABS überhaupt, wie ich
finde. Regelintervalle sind kaum spürbar, was mir im Vergleich
zum BMW-ABS ein wesentlich sichereres Gefühl vermittelt.
Die Pan atmet ihre Abgase zeitgemäß durch geregelte Kats
in die Umwelt. Die beiden abnehmbaren serienmäßigen 35-Liter-Koffer
lassen dem Tourer viel Platz für Reiseutensilien. Der mächtige
Gepäckträger nimmt optional ein Topcase oder sonstiges Gepäck
auf.
Und Platz findet man auf der Pan in Hülle und Fülle. Der
Fahrersitz kann zudem 3-fach in der Höhe verstellt werden. Tourerherz,
was willst du mehr.
Fazit:
Die Honda Pan European überzeugt auch weiterhin als komfortabler
Tausendsassa. Wer gerne lange Reisen unternimmt und dabei gerne auch
mal einen engen Pass unter die Räder nehmen möchte, ist mit
der Pan gut bedient. Mit 29 Liter Sprit im Tank und einem Verbrauch
um die 7 Liter können schon mal gut 400 km in einer Etappe gefahren
werden. Und man wird den Tankstopp - anders als auf manch anderem Mopped
- schon fast als Störung empfinden.
Guter Wetterschutz, ultraleichtes Handling, hervorragende Sitzergonomie
und ein bäriger Motor gekoppelt mit einer guten Verarbeitungsqualität
bieten für die gut 16.000 Euro einen adäquaten Gegenwert.
Schade nur, dass das Pendelproblem nicht komplett von Honda gelöst
werden konnte. 
Und noch ein paar Fotos:


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