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Fahrtest mit der Honda Pan European
Text:
Ralf Kistner
Bilder: Ralf Kistner
Kilometer fressen ohne sich dabei abzuarbeiten ist auf einem Motorrad
nicht immer möglich. Speziell für die Tourenfreaks waren bis
Anfang der 90er Jahre BMW marktführend, da die bayerischen Motorradbauer
den Spagat zwischen Handlichkeit und Komfort schafften. 1990 stellte
Honda die erste Pan vor. Ein vollverkleidetes Tourenbike mit einem vierzylindrigen
V-Motor und allem dran, was das Tourerherz begehrte. Und sie schlug
in ihrem Marktsegment voll ein. BMW hatte eine wirklich ernstzunehmende
Konkurenz bekommen. Die Pan war komfortabel und durchzugsstark bei guter
Handlichkeit trotz hohem Leergewicht.
Anfang 2002
stand nun die neue Pan bei den Händlern für die Kundschaft
bereit. Ich bekam eine Testmaschine dankenswerterweise von der Fa. bike4all
GmbH aus Weißenburg in der Treuchtlinger Straße zu Testzwecken
zur Verfügung gestellt.
Zuerst studiere ich kurz den Prospekt, da ich mich mit der Pan noch
nicht so befasst habe. Zwar ist mir von Pan-Eignern schon viel lobenswertes
berichtet worden, doch möchte ich diese durch und durch positiven
Eigenschaften dieses schon riesig anmutenden Reisedampfers selbst erfahren.
Im Prospekt lese ich über die Hubraumerhöhung und den Leistungszuwachs
auf nun immerhin 126 PS bei einem Drehmoment von 125 Nm bei 6000 Umin.
Das klingt gewaltig, doch muss man diese Leistungsdaten auch mit einem
Leergewicht von 326 kg in Beziehung bringen.
Die
Anzahl der Bedienelemente wirkt wie in einer gut ausgestatteten Luxuslimusine.
Eine Reichhaltigkeit, die wahrscheinlich nur noch von der aktuellen
Gold Wing oder K 1200 LT zu übertreffen ist. Die Armaturen sind
riesig und mehr als komplett. Der mittige Tacho und der links daneben
platzierte Drehzahlmesser sind auf einen Blick sehr gut ablesbar. Rechts
neben dem Tacho erhält man per Digital- und Balkenanzeigen Informationen
u.a. über den Tankinhalt, die verbleibende möglich Fahrstrecke
mit aktuellem Füllstand, Uhrzeit, Temperatur, Tageskilometer, usw.
usw. Da bleibt nichts aus. Die Leuchtweite kann per Handrad bequem beim
Fahren verstellt werden.
Positiv finde ich den nun serienmäßigen geregelten Katalysator.
Ebenso praktisch die 35 Liter Koffer und die in der Verkleidung untergebrachten
Seitenablagen für Klein-Krims-Krams.
Bekannt ist das Dual-CBS-Bremssystem schon von anderen Modellen
wie der CBR 1100 XX. Ich denke, darüber ist genug geschrieben worden.
Neu allerdings ist das ABS in der Pan.
Die
ersten Meter auf der Pan verbringe ich mit diversen Einstellungen.Das
Mäusekino will schließlich ausprobiert sein. Ich fühle
mich über das aktuelle Innenleben gut informiert und besinne mich
nun auf das Fahren. Ich biege auf die B 2 Richtung Treuchtlingen ein,
beschleunige die Pan und bin überrascht, wie der V-4 schon in niederen
Drehzahlregionen anpackt und nach vorne drückt. Alles läuft
samtig und ohne besondere Sensationen. Schnell bin ich im fünften
Gang und spüre, wie die Pan gut am Gas hängt. Ich ziehe etwas
das Gas auf, lasse die in der niedrigen Position schon sehr gut windabweisende
Scheibe in die Mitte hochfahren. Das reicht, um sich schon perfekt geschützt
zu fühlen. Und hier beginnt der Bereich, der es erfordert, den
Tacho immer im Blick zu halten. Ohne Winddruck bewegt man die Pan intuitiv
sehr schnell in führerscheingefährdenden Geschwindigkeitsregionen.
Schnell sind 160 auf dem Tacho, ohne dass davon viel spürbar ist.
Also schnell wieder Gas wegnehmen und um die 100 dahin gleiten.
Gleiten - das ist es eigentlich nicht, was ich mit der Pan mache. Zwar
sitze ich auf der weichen Sitzbank fast wie in Großvaters Fernsehsessel,
doch lässt das Fahrwerk auch feinere Unebenheiten durchkommen.
Nicht unangenehm - aber es ist eben kein Gleiten. Muss auch nicht, denn
so fühle ich mich trotz dem Komfort, den die Pan bietet, immer
noch als fahraktiver Biker.
Ich
ziehe mit der Pan in den Abend hinein meine Bahnen und lasse sie über
die Hausstrecke förmlich fliegen. Ja, 326 kg Leergewicht können
in Form einer Pan European wirklich zügig bewegt werden. Sie lässt
sich leicht und sehr direkt einlenken. Lenkimpulse übernimmt sie
sofort und setzt sie unvermittelt um. Ich bin wieder überrascht,
wie sich die Pan durch Kurven richtig durchziehen lässt ohne dabei
auch nur eine Spur von Fahrwerksunruhe zu zeigen. Die Schräglagen
sind ausreichend, so dass die Nippel der Fußrasten erst recht
spät aufsetzen. Das beginnt so richtig Spaß zu machen. Das
Herausbeschleunigen aus Kurven funktioniert dank des wirklich durchzugsstarkten
Aggregats spielerisch und ohne Mühe.
Um
sich sicher zu fühlen, packt das CBS-Bremssystem ausreichend satt
zu. Zwar verlangt eine Vollbremsung einiges an Handkraft, doch liegt
das alles mehr als gut im Rahmen. Sehr fein empfinde ich die Dosierbarkeit
der Bremsen, wenn sie mit dem Handhebel betätigt werden. Da ist
alles möglich. Das feine Verzögern in Schräglagen eröffnet
dabei überhaupt keine Problemstellungen. Leichtes Aufstellen kann
mit ebenso leichtem Gegendruck ausgeglichen werden. Das wirkt alles
rundrum perfekt auf mich.
Das ABS funktioniert so, wie es sein soll. Kaum spürbar wird blockieren
verhindert ohne dass sich die Intervalle zwischen Nachlassen und Verstärken
der Bremskraft ins Gewicht fallen. Dieses System in der Pan ist von
meinen Testerfahrungen her das bisher beste ABS, vor allem, da ich nicht
das Gefühl habe wie bei ABS von Konkurrenten, dass ich bei Aktivierung
des Systems z.B. auf Schotter einige Meter ungebremst fahre. Ich habe
das Gefühl von ständiger Verzögerung und fühle mich
dadurch sicherer.
Nachdem
ich nun diese Fahrwerksgrenzen ausgelotet habe, gebe ich mich am nächsten
Tag als Tourenguide der Wheelies-Tour nach Hirschling dem eher gemütlichen
Touren hin. Die Pan bewege ich fast nur noch im ersten, dritten und
fünften Gang. Der Motor wirkt immer fit und bereit zum Anzug. Der
Windschutz ist wirklich einzigartig. Nicht die kleinste Verwirbelung
zerrt an meinem Helm oder sorgt für erhöhte Windgeräusche.
Auch dies ist auf langen Touren ein wichtiges Kriterium, wenn es darum
geht, so entspannt wie möglich am Ziel anzukommen. Leider habe
ich bei meinen Tests bei Tourern anderer Hersteller schon schlechte
Erfahrungen sammeln müssen. Die Pan sticht da wirklich heraus.
Als tourentauglichen Vorteil empfinde ich den voluminösen 29 Liter
Tank. Da ist bei normaler Landstraßengeschwindigkeit der nächste
zwingende Tankstopp weit mehr als 400 km entfernt. Und an der Säule
kann man sich mit Normalbenzin begnügen. Das zeigte sich auf der
Tour nach Hirschling für mich als Vorteil. Ist doch der Sprit in
der Oberpfalz im Schnitt im 5 - 10 Cent teuerer als im heimischen Ries,
konnte ich so mit einer Tankfüllung die gesamte Tour fahren und
musste nicht "überteuert" nachtanken für die Rückreise.
Einen sehr
guten Eindruck hinterläßt die gesamte Handhabung der Pan
auf mich. Die Bedienelemente wirken hochwertig. Das Honda-Diebstahlschutzsystem
verhindert als Wegfahrsperre, dass die Pan von Unbefugten angelassen
werden kann. Nur mittels des zum Bike gehörenden Schlüssel
kann sie zum Leben erweckt werden.
Die Hebeleien sind beidseitig einstellbar. Die Kupplung wird hydraulisch
betätigt und trennt kalt wie warm einwandfrei. Das Getriebe lässt
sich wunderbar weich und mit kurzen Wegen schalten. So mag ich das drumherum
beim Biken.
Fazit:
Mit der 2002er Pan European ist Honda im Segment der komfortablen Tourer
ein Volltreffer gelungen. Sie ist ein Motorrad, auf dem man sich schnell
wohl fühlt und auf dem weite Autobahnetappen ohne Probleme und
Genickstarre zügig hinter sich gebracht werden können. 225
km/h als Vmax genügen da vollständig aus. Die Pan lässt
sich bis zur 200 km/h-Marke absolut problemlos fahren. Drüber wird
sie etwas störanfällig. Sie birgt für Fahrer und Beifahrer
viel Platz und strotzt mit horrendem Sitzkomfort. Die höhenverstellbare
Sitzbank für den Fahrer unterstützt die für die Maschine
vorzügliche Sitzergonomie.
Wer also ca. 16 000 Euro für ein Motorrad ausgeben möchte,
das in sich perfekt wirkt, sollte sich ruhig mal die Pan zu einer Probefahrt
holen. 
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