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Wer
aufmerksam die Anzeigen renomierter Motorradzeitungen betrachtet, wird
immer wieder auf eine Annonce von Team Metisse stoßen.
Der Spezialist für den Vertrieb von hochwertigen Umbauteilen stellt
dabei seine Interpretation der Suzuki Hayabusa zur Schau. Neonbunt mit
stark modifiziertem Äußeren ist die Haya als solche auf den
ersten Blick nicht mehr zu erkennen.
Horst
Edler steckt als Inhaber der Fa. Team Metisse hinter allem.
Er lud mich ein, um seine Haya einer Testfahrt zu unterziehen. Ich kanns
vorweg sagen: Ich sah der Göttin der Beschleunigung für kurze
Momente direkt in die Pupillen, direkt auf den Augenhintergrund. Aber
fangen wir vorne an.
Der
Umbau
Horst
legte beim Umbau der Haya großen Wert auf eine schlanke, moderne
Optik, geringes Gewicht und volle Alltagstauglichkeit. Im Folgenden
seien die Umbaumaßnahmen im Einzelnen beschrieben.
Auffälligstes
Merkmal der Metisse-Haya ist sicherlich die Verkleidung vom Typ Sprint.
Rahmenfest
als Halbschale ist sie für verschiedene Motorräder mit allen
Anbauteilen erhältlich. Man kann zwischen zwei Scheiben wählen.
Ich kam in den Genuss, die Vorzüge der klaren Airflow-Scheibe und
muss sagen, dass ich an einem sportlichem Bike einen besseren Windschutz
bisher nicht erfuhr. Ohne jegliche Verwirbelung schützt die klein
anmutende Halbschale bis in den Bereich jenseits der 300 km/h. Leichtes
Kopf-Einziehen reicht aus, um sich bei voller Fahrt dem Tornado von
vorne wirksam zu entziehen. Wirklich traumhaft!
Komplett wird die Verkleidung optisch durch die Rahmenabdeckungen in
Carbon, die die Rahmenlöcher von oben abdecken.
Die
Sitzbank vom Typ Predator bietet trotz knappem Sitzpolster
guten Halt und ausreichend Komfort auch für die große Urlaubstour.
Optisch fallen der aerodynamische Kotflügel und die Radabdeckung
am Hinterrad mit integriertem Kettenschutz ins Auge.
Für
verbesserte Handlichkeit und letztlich auch Sicherheit implantierte
man der Haya eine Heck-Höherlegung. Die Umlenkhebel (mit TÜV)
heben das Heck um 28 mm an. So bekommt die Haya eine Handlichkeit, wie
ich sie von meiner GS-BMW her kenne. Spielend leichtes Einlenken lässt
so enge Kurvenkombinationen zur Sucht werden. Die Haya braucht kaum
Nachdruck und fällt praktisch von alleine in die vom Fahrer angedachte
Richtung.
Zudem bewirkt die Höherlegung mehr Grip am Hinterrad und mehr Gewicht
auf dem Vorderrad. Das bewirkt, dass die auf 214 kg (!!!) abgespeckte
(Original 251 kg) und auf 176 PS (am Hinterrad; am Motor ca. 190 PS)
getunte Maschine im 2. Gang bei Volllastbeschleunigung das Vorderrad
schön sauber am Asphalt lässt, so dass man die volle Beschleunigungsarbeit
gerne wiederholen kann ohne Angst haben zu müssen, dass der Falke
zum Looping ansetzt.
Der
Preis für die Umlenkhebel lieben bei 119.- DM. Ein geringer Aufwand
mit äußerst großer Wirkung. Das Minimalprinzip in Vollendung,
wie ich finde.

Wirksam
auch die Alu-Sturzpads, wovon Horst Edler selbst ein Lied singen kann.
Fiel ihm sein Meisterstück doch letztens um und überlebte
den Sturz ohne einen Kratzer. Ohne den Pad hätte die Verkleidung
sicherlich einige Blessuren davon getragen.
Schön
anzusehen und schützend ist der Kühlergrill aus poliertem
Edelstahl, den Edler auch für viele andere Motorradtypen anbietet.
Der Tankschnellverschluss erleichtert das Tanken um einiges.
Für
optimale Verzögerung mit stets gleichbleibendem klarem Druckpunkt
sorgen vorne zwei 6-Kolben-Bremszangen. Sie sind über jeden Zweifel
erhaben und leisten fein dosierbare Verzögerungsarbeit mit hoher
Effektivität.
Die
hochgelegte Auspuffanlage (4in2in1) mit Nikko ABE-Dämpfer verleiht
der Haya schlanke Sportlichkeit und klingt richtig gut.
Das
schnell und kraftvoll schlagende Herz der Haya wurde bei der Fa. Großewächter
in Spänge auf Vordermann gebracht. Stichpunktartig seinen die Umbauarbeiten
aufgeführt:
Tornado Nockenwellen, Zylinderkopfbearbeitung, Neuprogrammierung der
Zündbox. Zusätzlich stattete man die Haya mit dem Team Metisse
Full Power Connector für volle Leistung im 2. und 3. Gang aus,
da die meisten Suzi-Modelle in der BRD aufgrund der Geräusch- und
Abgasbestimmungen gedrosselt laufen. Die Drosselung wird mit dem Connector
aufgehoben.
Die Fahrt
Soviel
nun zum Umbau dieses einmaligen Gerätes. Jetzt kommt natürlich
die Frage, wie sich eine solche Rakete im Alltag bewährt, ob eine
Maschine mit diesem Leistungsgewicht im STVO-konformen Verkehr überhaupt
straffrei ohne satter Punktebeschleunigung in Flensburg bewegt werden
kann, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Leistungsprotz anzumelden,
oder ihn nur auf Rennstrecken zu fahren.
Es
ist vollkommen klar, dass 1300 ccm in der beschriebenen Konstellation
schon ab Standgas so viel Druck aufbringen, dass die Fuhre direkt in
Fahrt gebracht wird. Es ist auch klar, dass der Lenker dieser Haya die
Rolle mit noch mehr Wachheit und Bedacht drehen muss als bei der Serien-Hayabusa.
Dieser Falke schnappt noch schneller und gewaltiger zu.
Es ist der Antritt, den ich von leistungsstarken V2-Motoren à
la Duc oder Aprilia kenne. Direkt und ohne Umschweife auf kürzestem
Weg zum Drehmoment- und Leistungszenit.
Diesen Antritt muss man erlebt haben. Ich habe letztes Jahr die Kawa
ZX 12 R gefahren und war überzeugt, dass es heftiger eigentlich
nicht mehr gehen kann. Fehlanzeige! Was die Umbau-Haya zeigt, ist jenseits
von Gut und Böse - wenn ich es denn ausnutzen mag.
Das
ist der Punkt. Ich kann, wenn ich will. Das ist das Gefühl, mit
dem ich auf der Haya unterwegs bin. Ich muss ja nicht und kann das wunderbar
steuern. Das ist auch mein Argument, wenn ich immer wieder zu hören
bekomme, was das soll, sich für unseren Straßenverkehr eine
solche Maschine zuzulegen. Das kann man doch gar nicht ausnutzen. Die
meisten denken dabei (leider) nur an die Höchstgeschwindigkeit,
die bei der Metisse-Haya sicherlich weit über der 300er-Marke liegen
dürfte. Ich kenne sie nicht, da ich die Haya nicht ausfuhr. Das
erlaubte der Verkehr nicht.
Aber die Beschleunigungsleistung konnte ich austesten, immer wieder
auf der Autobahn, wenn gerade eine ausreichend lange Lücke war.
Und das ist ein Erlebnis, das sind Kräfte, ähnlich wie sie
Schumi in seinem roten 800-PS-Bomber zu spüren bekommen dürfte.
Auf der BAB-Einfahrt bei Heilbronn unterhalb der Platte geht es Richtung
Würzburg. Im 2. Gang biege ich mit 80 in die Beschleunigungsspur
ein. Und dann geht ein Feuerwerk ab. Die Maschine explodiert regelrecht
beim Aufreißen des Gashahns. Ein Augenzwinkern weiter fordert
mich der Begrenzer bei 11 000 Umin zum Hochschalten auf. Tacho 200!
Im 3. und 4. Gang wird diese Geschichte fortgeschrieben. Bei
ca. 270 schalte ich in den 5. Gang. Die Haya schiebt und schiebt. Bei
Tacho 295 klicke ich in den 6. Gang. Die Haya schiebt weiter mit einem
Druck, den ich von meiner GS im 3. Gang kenne. Unglaublich.
Unglaublich
auch der Windschutz, den mir die Verkleidung bei diesem Tempo bietet.
Trotz verbautem Superbikelenker muss ich den Kopf nicht auf den Tank
legen, um nicht das Gefühl zu bekommen, dass mir der Orkan den
Kopf abreißen wird. Das ist perfekt.
Perfekt
auch das Fahrwerk. Schnurgerade zieht die Haya und hält jede vorgegebene
Linie exakt ein ohne nervös zu werden. Lange BAB-Kurven mit Geschwindigkeiten
um die 300er Marke bringen die Maschine nie aus der Ruhe, was ein hohes
Sicherheitsgefühl vermittelt.
Zum
Gesamtkonzept passt auch die Bremsanlage, die wie schon beschrieben
keinen Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit aufkommen läßt.
Jetzt
aber wieder zurück in den normalen Bikealltag auf der Landstraße.
Wie gesagt, Voraussetzung ist Wachheit und Selbstdisziplin. Dann ist
es kein Problem, diese Maschine ganz normal auf unseren Landstraßen
zu bewegen. Und das mit maximalem Spaßfaktor.
Losfahren, 6. Gang, und dann einfach dem Straßenverlauf folgen.
So könnte die Bedienungsanleitung für die Metisse-Haya lauten.
So extrem leistungsstark sie ist, so extrem handlich ist sie auch. Sagenhaft.
Das Fahrwerk wirkt straff, aber nicht knochig. Schräglagenfreiheit
ist dank der je um 25 mm höher und zurückversetzten Fußrasten
aus dem Metissesortiment praktisch unbegrenzt vorhanden.
Fazit:
Das
Konzept der Metisse-Hayabusa ist meiner Meinung nach perfekt. Ein perfekte
Fahrmaschine ohne überflüssigem Schnickschnack. Es passt an
dieser Maschine einfach alles.
Ein echtes Unikat, das sich jeder nachbauen kann. Denn das macht Horst
Edler nicht. Er baut nicht um. Er gestaltet Umbaukonzepte, vermittelt
und vertreibt alles für den Umbau notwendige.
Für
eine Haya wie die getestete muss man ca. 36.000.- DM berappen (Neufahrzeugkauf
inklusive).
Vorteil des Konzeptes:man kann sich seine Wunsch-Haya auch Schritt für
Schritt umbauen oder sich beim Umbau Prioritäten setzen, um so
den finanziellen Aufwand in Grenzen halten.
Stand:
2002-01-26


Kontakt
zu Team Metisse unter:
www.metisse.de
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