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Fahrbericht
über die 2002er Yamaha FZS 600 Fazer
(Text: Ralf Kistner Bilder: Ralf Kistner, Tango Turtle)
Als ich die 600er Fazer vor zwei Jahren testete, war ich überrascht
von so viel Agilität und Allroundtauglichkeit. Die neue Fazer hat
sich nicht nur optisch verändert, sondern bekam in Einzelheiten
einen kleinen Evolutionskick.
Optisch
fällt die schon an der 1000er Fazer verwendete Halbschale in Auge.
Mutete die alte Maske etwas bieder an, liegt die neue mit dem bösen
Blick voll auf der Höhe der Zeit. Natürlich hebt sie sich
dadurch auch nicht durch Individualität von der Masse ab. Wíll
sie auch gar nicht.
Die neue Fazer kann wie die alte mit ihren
inneren Qualitäten überzeugen. Verändert haben die Jungs
bei Yamaha die Form des Tanks, der nun einen besseren Knieschluss ermöglicht.
Zudem fasst das Spritfass jetzt echte 22 Liter. Bei einem Durchschnittsverbrauch
von gut 6 Litern tun sich da schon erstaunliche Reichweiten mit einer
Tankfüllung auf. Gut auch, dass die kleine Fazer mit Normal bleifrei
auskommt. Das unterstützt das breite Grinsen der Fazer-Lenker eindeutig.
Die neue Fazer wirkt stärker im Anzug aus
niederen Drehzahlen als es die altezu vermitteln vermochte. Wir wollen
nochmals vermerken, dass es sich hier um eine 600er Vierzylinder handelt.
Bekannterweise ist da im Drehzahlkellernicht
die Welt los. Unsere Fazer nimmt ab Standgas sauber und direkt Gas an
und zieht nach vorne. Im Drehzahl-Erdgeschoss schon ist eindeutig
Druck und Vorwärtsdrang zu spüren. Im ersten Stock geht es
dann bis 8000 Umin satt zur Sache, um dann bis zum Drehzahlbegrenzer
förmlich los zu stürmen. Dieser Bereich ist der, der mit der
Fazer dermaßen Spaß macht, dass sportliche Fahrer die Maschine
sicherlich in dieser Drehzahlregion ab liebsten bewegen werden. Da wirkt
sie putzmunter und quirlig. Etwas ungewohnt für mich, doch mit
viel echtem Fahrspaß verbunden.
Versorgt wird das Triebwerk von einer 33er Unterdruckvergaserbatterie.
Auf
der Piste kann die kleine Fazer mit ihrer Handlichkeit und Spurtreue
überzeugen. Sie übernimmt wie von selbst die vom Fahrer anvisierte
Linie und zieht diese bis zur nächsten Lenkkorrektur direkt nach.
Schade, dass die sehr weich gedämpfte Tele-Gabel mit ihren 41er
Holmen auf welligem Belag wenig Rückmeldung bietet, andererseits
jedoch sehr komfortabel wirkt. Sie scheint die feinen Unebenheiten schlichtweg
glatt zu bügeln. Im normalen Straßenbetrieb reicht ihre Stabilität
sicher aus. Die weiche Dämpfung kommt dann zum Tragen, möchte
man die Fazer mit sportlichem Strich über die Straßen treiben.
Beim harten Anbremsen taucht sie sehr tief ein, was jedoch nicht zur
Besorgnis mahnen muss. Stabil bleibt sie trotzdem, nur beginnt sie manchmal
etwas zu rühren bzw. auf Hoppelstrecke leicht zu flattern, da sie
nicht mehr so recht den Kontakt zur Straße halten kann.
Abhilfe kann man hier sicherlich mit einem zäheren Gabelöl
schaffen.
Hinten geht die Fahrwerksarbeit durchaus in Ordnung.
Bis auf ein leichtes Aufschaukeln im Grenzbetrieb kann über das
Federbein mit seinen 120 mm Federweg nicht gemeckert werden.
Will man sportlich fahren, braucht man neben
sattem Vortrieb auch einen Bewegungsenergievernichter, der überschüssige
Geschwindigkeit möglichst effektiv eliminieren kann. Yamaha geizte
nicht und verbaute vorne die Bremszangen der R1. Die Scheiben sind mit
298 mm etwas kleiner im Durchmesser als die der R1. Die Wirkung geht
mehr als vollkommen in Ordnung. Sowohl in der Feindosierung als auch
in der Bremskraft kann sich die Fazerbremse zur Spitzentruppe der sich
auf dem Markt befindlichen Bremsen zählen. Da passt wirklich alles.
Das vermittelt und bringt Sicherheit. Die Verzögerungswerte dürften
derzeit mit zu den besten zählen. Zur Bedienung des verstellbaren
Bremshebels bedarf es wenig Kraft. Zwei Finger reichen wirklich, auch
bei zügiger Fahrweise über die Hausstrecke, leicht aus. Da
kann ich nur des Lobes voll sein. Eine Steigerung wäre glaube ich
nur noch der berühmte Anker, den man zum Verzögern werfen
könnte.
Der hintere Stopper ist in seiner Wirkung gut ausreichend. Nur ist der
Druckpunkt durch die Bikerstiefel nicht spürbar. So wirkt sie etwas
teigig, woran ich mich aber schnell gewöhnen kann. Meist nutze
ich die Kraft der vorderen Bremse, die hintere dient nur der leichten
Korrektur, sollte es in Kurven mal zu schnell werden sein.
Apropos schnelle Kurven. Mit der Fazer kann man
wirklich heizen, wenn man will. Und sie schließt sich einer plötzlich
auftretenden Schräglagensucht ihres Lenkers spontan an. Dabei besteht
in Rechtskurven die Möglichkeit, dass der Auspufftopf an seiner
vorderen Schweißnaht schon mal Bodenkontakt bekommt. Gewarnt wird
man jedoch rechtzeitig durch die "Angstnippel" an den Rasten.
Hier eine wirklich sinnvolle Einrichtung, da das Auspuffaufsetzen wirklich
hart sein kann und sofort die Linie versaut.
Nach links kann man die Fazer wesentlich tiefer legen, bis dann der
Ständer irgendwann mal durch Funkenflug auf seinen Kontakt zum
Asphalt aufmerksam macht.
Wohlgemerkt, das passiert bei grenzwertiger Fahrweise. Nicht im normal-zügigen
Fahrbetrieb.
Die Bereifung mit dem Dunlop Sportmax geht vollkommen
in Ordnung. Er glänzt durch auffälliges Aufstellmoment, aber
vor allem durch sichere Haftung bis in den Randbereich. Die Fazer wirkt
mit ihm durchweg leichtfüßig.
Die Instrumentierung der Fazer ist vollständig.
Nebenden üblichen Anzeigeinstrumenten findet man eine Tankuhr und
eine LCD-Km-Anzeige mit 2fachem Trip und dem Zählen der km, die
man abspult, wenn die Tankanzeige auf Reserve umgeschaltet hat. Eine
äußerst sinnvolle Einrichtung.
Weiter wird es jeden Biker freuen, wenn er das unter der Sitzbank
befindliche Staufach registrieren wird. Da geht wirklich einiges hinein.
Das Regenkombi oder die kleine Brotzeit für unterwegs wird somit
immer ihren Platz finden.
Fazit:
Nie war sie so wertvoll wie heute. Die neue kleine
Fazer setzt der "alten", die in ihrer Klasse bekannterweise
in vielen Disziplinen der Konkurenz davon fuhr, durch sinnvolle Modifikationen
noch eins drauf. Ein Knüller, vor allem, da sie nicht teurer geworden
ist als die Vorgängerin. Hätte sie noch eine besser gedämpfte
Gabel, wäre sie derzeit sicher das perfekte Allroundmotorrad schlechthin.
Aber was ist schon voll perfekt? Nahezu ist in diesem Fall in jedem
Fall mehr als ausreichend.

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