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Fireblade,
seit 1992 der Inbegriff leichter Supersportbauweise. Mittlerweile
in der 4. Auflage präsentierte Honda das 2000er Modell. In den
ersten Pressemeldungen fielen mir die optischen Veränderungen,
vor allem die böse dreinblickenden Scheinwerfer auf. Die CBR
wirkt gedrungen, kompakt und leichtfüßig. Honda, allen vorweg
Tadao Baba, der das Projekt Fireblade leitete und
die Maschine maßgeblich neukonstruierte, gelang es, trotz 3
vorhandener Generationen der Fireblade eine echte Neuauflage
zu kreieren.
Meine Testmaschine bekam ich dankenswerterweise von der Fa.
Kreiselmeyer in Feuchtwangen zur Verfügung gestellt. Beim Start
fiel sofort der seidige Gleichlauf des 4-Zylinder-Aggregats
auf. Sauber nahm die Maschine sofort das Gas an und forderte
mich auf, es mir endlich auf ihr bequem zu machen und sie die
Straße runter zu scheuchen.
Bequem
bei einem Supersportler? Ich hatte da so meine Bedenken. Von
meiner Reiseenduro verwöhnt, wollte ich mich erst gar nicht
mit dem Gedanken auseinandersetzten, nun mit einem Joghurtbecher
in archaisch zusammengefalteter Fruchtblasenstellung auf einem
motorisierten Zweirad meinen Tag zu verbringen. Au weia,
dachte ich mir, wohin auf dem Sitz mit meinem durchaus
wahrnehmbaren Bauchansatz? Wie soll ich das aushalten, wenn
die Knie fast bis zum Hintern gefaltet sind?
Das erste Probesitzen auf der Honda lehrte mich, stets meine
Vorurteile in der Realität zu prüfen. Die Sitzposition ist durchaus
sportlich, aber auch langstreckentauglich. Überraschend für
mich, dass ich mich gar nicht so weit nach vorn und unten beugen
musste, um die Lenkerstummel zu erreichen. Angenehm, dass die
Füsse ohne markanter Kniefalttechnik die Rasten fanden. Super,
wie leicht die Fußhebel zu bedienen waren.
Ich war für das erste beruhigt. So schlimm konnte der Tag ja
nun nicht mehr werden.
Natürlich
hatte ich vor dem Test einiges über die Maschine gelesen. Die
Zeitschriften und einschlägige Websites stehen ja seit Jahresbeginn
voll von Berichten zur Fireblade. Beeindruckend waren für mich
die technischen Motordaten. Honda schaffte es, dem 929 ccm-Motor
eine Leistung von 152 PS zu entlocken. Dazu ein Drehmoment von
103 NM bei 9000 Umin. Das ist doch schon was. Dazu setze man
ein Trockengewicht von 170 kg in Relation.
Damit kann man sich doch schon mal auf die Piste trauen und
nach aktuellen Supersportlern anderer Hersteller Ausschau halten.
Schade, am Testtag schienen alle verschwunden gewesen zu sein.
Aber es war auch nicht weiter schlimm, denn Spaß und Adrenalin
brachte mir die CBR auch alleine.
Ich
steuerte die seidig summende Maschine von Feuchtwangen auf die
Autobahn. Klar, denn wo sonst hat man außer auf teuren Rennstrecken
die Möglichkeit, sich an die Vmax heran zu tasten. Vor dem Ausflug
auf die Autobahn aber noch ein kurzer Ausflug in die modifizierte
Technik der CBR:
Die Motorleistung wurde im Vergleich zur alten CBR satt angehoben.
Die Verwendung größerer und steiler stehender Ventile schaffen
bessere Strömungsver-hältnisse im Brennraum. Zusätzlich verdichet
das neue Aggregat höher. Für präzise Verbrennungsvorgänge implanierte
man der Honda ein computergesteuertes Motormanagement. Gemischaufbereitung
und Zündzeitpunkt werden individuell berechnet. Zudem regelt
ein Ventil im Luftfilterkasten drehzahlabhängig die Luftzufuhr.
Ein Regelsystem im Krümmer verbindet bzw. trennt computergesteuert
die 4 Krümmerrohre.
Das alles bringt Leistung und Drehmoment satt. Der Clou dabei:
als erste Supersportlerin atmet die CBR ihre verbrauchte Luft
durch einen geregelten 3-Wege-Kat ins Freie.
Zurück zur bundesdeutschen Autobahn. Jede Person, mit der ich
über die Testerfahrungen mit der CBR sprach, sagte mir zuerst,
dass es ein so schnelle Gerät heute nicht mehr bräuchte, da
man die Geschwindigkeiten auf unseren vollen Straßen eh nicht
mehr fahren kann, will man nicht kamikazemäßig unterwegs sein
und als Schreckensbiker in schmierigen Boulevardsendungen der
privaten Sender erscheinen. Seit dem Überschreiten der 300er-Marke
bei Serienmaschinen ein beliebtes Thema zur Meinungsmache. Was
man nicht alles tut für gute Quoten.
Na
ja, ich musste aufgrund meiner Erfahrungen widersprechen. Mir
ist mein Leben was wert. Und das der anderen respektiere ich
auch in vollem Maße, so dass ich mich nur in diese Geschwindigkeitregionen
vorwage, wenn ich wirklich auf weite Sicht freie Bahn habe.
Ich fand eine Lücke auf der A 6 am Vormittag eines
ganz normalen Werktages. Unglaublich. Diese Lücke reichte mir
zumindest, das Spurtvermögen über der 200er Marke zu genießen.
Es ist ein Genuss, wie die CBR zur Sache geht. Ein 500er SL
mit dem guten Stern auf der Haube forderte mich knapp über 200
auf, von der linken Spur zu wechseln. Ich ging rüber, er an
mir vorbei. Ich hängte mich an ihn dran. Schwarze Wolken aus
seinem Auspuff verrieten mir, dass er sein Gaspedal mächtig
bearbeitete. Bei 250 war für ihn dann Schluss. Schließlich werden
schnelle PKW heutzutage bei dieser Marke abgeregelt. Nun wich
er nach rechts und machte mir die Bahn frei für weiteren Genuss.
Wirklich satt, wie die CBR selbst hier noch schieben kann. Ein
Gedicht, wie sie am Gas hängt und scheinbar schon durch Gedanken-übertragung
beschleunigt.
Bei 280er Tachostand ließ ich dann ab, da in weiter Ferne LKW
etc. rasend schnell auf mich zukamen. Der Gedanke, dass der
Bremsweg in diesen Geschwindigkeitsregionen knapp einen halben
Kilometer lang sein kann, ließ mich Vmax Vmax sein. Ich empfand
den Auftritt der CBR hierfür jedenfalls als ausreichend. Überzeugend,
wie sie kraftvoll und geradlinig auf dem gesamten Drehzahlband
ihre Leistung entfaltet. Ab 8000 Umin läßt sie bis 11000 Umin
noch mal ein Feuerwerk an Schubkraft los. So soll es sein. Sauber
dosierbar und trotzdem bärenstark - und von Lastwechselreaktionen
keine Spur.
Das Fahrwerk passt zum Sportsgeist, den die Maschine ausstrahlt.
Neu ist die am Motor gelagerte Schwinge, die mittels eines separaten
Gussteils verschraubt wird. Die Motoraufnahme befindet sich
in einem stabilen LM-Brückenrahmen. Neu auch die 43er Upside-down-Gabel.
Als i-Tüpfelchen erhielt die 2000er Fireblade statt dem bisherigen
16 Vorderrad ein 17-Zöller. Diese Gesamtkonzeption läßt
die Fireblade in bewundernswerter Einfachheit die vorgegebene
Richtung einschlagen und beharrlich einhalten. Lange Wellen
schluckt sie einfach weg. Kleine Unebenheiten gibt sie klar
ans Rückrat des Fahrers weiter. Das Pumpen des hinteren Federbeins
gehört dank Überarbeitung der Vergangenheit an. Das Fahrverhalten
beim Bremsen bleibt neutral. Imponierend auch das leichte Einlenken.
Um mit der Fireblade zügig zu fahren, muss man nicht einen Lehrgang
im Hanging-up absolviert haben. In schnell gefahrenen
engen Kurven verlangt sie zwar etwas Nachdruck, um sie in die
notwendige Schräglage zu bringen, doch ist lange nicht der Krafteinsatz
zu leisten, den puristische Supersportler vom Fahrer abverlangen.
Wer wissen will, wo die Grenzen dieses Fahrwerks liegen, wird
die Rennstrecke aufsuchen müssen. Auf der Landstraße konnte
ich jedenfalls keine Grenzen erspüren.
Ein dickes Lob den Konstrukteuren auf die Bremsen. Das ist Sicherheit
pur, was Honda der Fireblade angedeihen ließ. Sauberer Druckpunkt,
astreine Dosierbarkeit und Biss ohne Ende zeichnen die vorderen
4-Kolben-Beißzangen an den 33er Scheiben aus. Hinten unterstützt
eine 22er Einkolben-Anlage die vorzügliche Verzögerungsarbeit.
Nun noch ein paar Worte zur Ausstattung:
Die Hebeleien können sowohl für Lang- als auch für Kurzfinger
eingestellt werden. Unter der Sitzbank findet man ein geräumiges
Staufach mit Werkzeug vor. Die Verkleidung bietet recht guten
Windschutz, wobei ab 200 km/h eine gebücktere Haltung von Vorteil
ist, da der Druck am Helm sonst unvermindert ankommt.
Ein pfiffiges Ausstattungsdetail ist für mich der codierte Zündschlüssel.
Die Maschine ist nur zu starten, wenn der entsprechend zur Codierung
passende Schlüssel verwendet wird. Im Falle des Verlustes oder
Diebstahls kann man bei Honda umcodieren. Der geklaute Schlüssel
würde zwar mechanisch noch passen, jedoch verweigerte die umcodierte
Maschine stur ihren Dienst.
Fazit:
Die neue Fireblade kann als gelungenes und sportliches Gesamtkunstwerk
durchgehen. Honda baute mit der CBR 900 RR eine superschnelle
Maschine für jede Einsatzform, solange sich unter den Pneus
feste Straßenbeläge befinden. Die Sitzposition ist für Fahrer
und Sozius alles andere als extrem sportlich, was ihrer Alltagstauglichkeit
noch mehr entgegenkommt.
Ein guter Gegenwert für die 23.220.- DM, die man dem Händler
überreicht, wenn man die CBR sein eigen nennen mag.
Stand:
24.09.2001
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