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Ralf Kistner |
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Fahrbericht
zur BMW R1150R
Weiß-blaue Kräder aus der Boxerschmiede in München sorgten schon immer für Gesprächsstoff. Und die Modellpalette beinhaltete von Anfang an unverkleidete Modelle, die seit dem Ansturm japanischer Bikes auf den deutschen Markt schließlich immer mehr belächelt wurden. Fahrstuhleffekt und Boxerschütteln ließen vor allem junge Käufer auf leistungsstarke Japaner umsteigen. Mittlerweile sind die Motorräder aus München wieder beliebt und gerne gefahren, was die aktuellen Zulassungszahlen eindeutig belegen. Einen nicht geringen Anteil daran haben die nackten Boxer. Modelle wie die R 80/100 R und die R 850/1100 R fanden Liebhaber in Kreisen der Tourenfahrer, die die Wartungsfreundlichkeit und Zuverlässigkeit der Maschinen zu schätzen wussten. Wer diese Maschinen fuhr, merkte schnell, dass sie auch für einen flotten Strich taugten. Vor zwei Jahren fühlte ich der R 1100 R auf den Zahn während einer Tour durch die Schweiz. Nun galt es, zu testen, ob die Veränderungen am neuen Modell wirklich Verbesserungen brachte.
Die Veränderungen Die bei der 1100er
gleich über den Zylindern angebrachten Ölkühler wanderten
seitlich an den Tank. Eine spezielle Verkleidungskonstruktion gewährleistet
den für die Kühlung notwendigen Luftdurchsatz.
Aufpreispflichtig ist der Einbau des neu entwickelten Integral ABS. Der Handbremshebel steuert gleichzeitig Vorder- und Hinterrad an, wobei eine Steuerelektronik für jedes Rad einen Bremskraftverstärker aktiviert, die Bremskraftverteilung für Vorder- und Hinterrad übernimmt und bei Bedarf das ABS einschaltet. Neben der hydraulisch
betätigten Kupplung erhielt die 1150 Roadster nun einen Rohrlenker,
der den Fahrer etwas Vorne erleichterten die BMW'ler den A-Lenker des Telelevers und verbauten ein in der Zugstufe einstellbares Federbein von Showa.
Auf die Piste In München dirigiere ich die R auf die Ostumgehung. Es dämmert mittlerweile, die Luft ist klar und wird langsam kühl. Positiv nehme ich die warmen Knie zur Kenntnis. Das gefällt mir, wenn für den Fahrer mitgedacht wird. Mir fällt sofort der implantierte Drehmomentzuwachs auf. Der Motor packt praktisch ab Standgas kräftig an und beginnt ab ca. 2500 Umin richtig massiv zu schieben. Bei gut 5500 Umin gelangt er mit 105 NM an seinen Drehmomentzenit, wobei er bis gut 7000 Umin noch willig dreht. Danach zeigt er sich eher zäh. Auf der Autobahn
habe ich mit ungefiltertem Winddruck zu tun. Ohne Scheibe gibt es praktisch
keinen Windschutz. Liegend schaffe ich mit Koffern knapp 200 km/h. Doch
das Getöse lässt mich schnell wieder auf 150 Sachen runtergehen.
Das ist erträglich, das Genick wird noch nicht steif. Und ich komme
vorwärts. Ich merke, wie die R im sechsten Gang immer noch satt
abziehen könnte, wenn ich es ihr auftragen würde. Das Boxeraggregat
ist stets antrittsbereit und drückt zwischen 2500 - 7000 Umin deftig
nach vorn. Ein richtiges Spaßgerät, mit dem ich längere
Touren ebenso leichtfüßig hinter mich Zu zweit mit
Gepäck ist das hintere Federbein überfordert. Es gibt keine
Einstellung, die das Durchschlagen verhindert. Dieses Phänomen
ist mir jedoch auch von anderen BMW-Modellen bekannt. Anscheinend sind
hier noch nicht die für den Sozius-Tourenbetrieb optimalen Federbeine
zum Einsatz gekommen. Die Maschine wirkt voll beladen am Hinterrad nicht
mehr so stabil, wie sie es mit einem Tauschfederbein von WP oder Öhlins
sicherlich noch sein könnte. Das heißt aber auch nicht, dass
sie schlonzig dahin schaukelt. Nein. Man kann voll beladen mit der Roadster
gut und komfortabel auf Reisen gehen. Nur sollte man auf hoppeligen
Sträßchen etwas vorsichtiger zur Sache gehen, da es hier
und da schon mal zum Durchschlagen kommen kann. Zudem setzt der Hauptständer
extrem früh auf. Das ist auch schon alles, was den Fahrgenuss etwas
trübt. Auffällig an meinem Testexemplar ist, dass es nicht ruckelt. Ich hab nun schon genügend Vierventil-Boxer getestet. Und ich hatte bisher noch keinen, der nicht mit dem berüchtigten Konstantfahrruckeln aufwartete. Die Roadster ist die erste 4-V-Boxer-Q, die nicht ruckelt. Ich weiß nicht, ob das an der Roadster liegt oder ob das einfach nur Serienstreuung ist. Jedenfalls scheint sicher zu sein, dass es schon ab Werk doch auch ohne dieses lästige Ruckeln geht. Die Bremsen der Roadster scheinen auch von besonderer Art zu sein. Die anderen Modelle, die ich mit der neuen Evo-Integralbremse fuhr, waren in der Bremskraft erste Sahne, jedoch in Sachen Feindosierung eher schwach. Geringfügige, feine Geschwindigkeitskorrekturen waren kaum möglich. Die Bremsen bissen immer heftiger zu als erwünscht. Die Roadster hingegen lässt diese Feindosierung in beachtlichem Maße zu. Diese Bremse empfinde ich zum Touren und zügigen Landstraßenroadstern fast perfekt. Das "fast" kommt vom ABS, dessen erste Intervalle vom Öffnen bis zum erneuten Zupacken für mein Empfinden zu lang sind. Ansonsten ist die Bremseinheit der Roadster über jeden Zweifel erhaben. Zu beachten ist nur, dass ohne Zündung die Bremskraftverstärker keinen Dienst verrichten und für den Lenker nur eine Restbremsfunktion bleibt, die einen langen Leerweg und vor allem eine hohe Handkraft bedingen. So ist es ratsam, auch zum Rangieren oder Schieben die Zündung eingeschaltet zu lassen.
Fazit:
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