Fahrbericht mit der
BMW R 80 GS mit 1000 ccm Power-Kit
von der Fa. Siebenrock
Text: Ralf Kistner
Bilder: Ralf Kistner, Severin Schöllhorn, Gitte Schöllhorn

Es ist genau die richtige Maschine, die ich da im goldenen Herbstmonat
vor der Türe stehen habe, um nach der Ernte auch mal den Einkehrschwung
weg vom Asphalt in unbefestigtes Terrain zu wagen. Und ich fühle
mich an meine letzte Kuh erinnert, die ich in diesem Frühjahr verkaufte.
Nochmal durfte ich die spaßbrin-
genden Vorteile dieses Motorrades für vier Wochen nach Lust und
Laune nutzen. Es geht hier um die BMW R 80 GS der Fa. Siebenrock, die
den Motor mit einem 1000er Power-Kit (genaue Bezeichnung lautet Power-Kit
R 80) ausstattete.
In der Produktbeschreibung auf der Firmenwebsite verspricht Siebenrock
"mehr Leistung und Drehmoment für alle R 80 (ab 1981) im gesamten
Drehzahlbereich. Eine Leistungssteigerung bei der R 80 G/S, ST, GS
auf 60 PS/44 kW, bei den R80 Straßenmodellen auf 64 PS/47 kW. 30%
mehr Drehmoment: 73 statt 57 Nm bei
einer R 80 GS. Weniger Abgasausstoß und niedrigerer Verbrauch. Mit
Anbauanleitung und TÜV-Gutach-
ten für R 80, G/S, GS, ST, Basic, RS, RT, R, mystic."
Soviel zu den Produktinformationen. Weiter heißt es, dass für
den Umbau keine Zylinderkopfbearbeitung notwendig sei. So werden nur
Kolben und Zylinder getauscht. Die Zylinder sind Nikasil-beschichtet,
die Molybdän-beschichteten Schmiede-
kolben wiegen ca. 150 g weniger als die Originalteile. Der komplette
Umrüstsatz bestehe aus 2 Zylindern, 2 Kolben,
2 Kolbenbolzen, 4 Sicherungsringen und 6 Kolbenringen.
Es ist für mich natürlich interessant zu erfahren, wie die
sich die Leistungssteigerung im Fahrbetrieb auswirkt. Ich kann dazu
die Erfahrungen meiner Ex-GS heranziehen, da diese mit dem Leistungssteigerungskit
von HPN mit 1043 ccm ausgestattet war.
Es ist wirklich schön, nach einer umfangreichen Testsaison zum
Ende hin wieder mal ein Motorrad zu fahren, das sein Leben für
mich spürbar macht. Schließlich handelt es sich um einen
2-V-Boxer, dem das Vibrieren noch nicht so abgewöhnt wurde
wie einem heutigen 4-V-Boxer. Das Motorenkonzept wirkt urtümlich.
Es sorgen noch die guten alten Bing-Vergaser für die richtige Sprit-Luft-Mischung.
Da wird der Motor noch über die Gaszugeinsteller synchronisiert.
Und es ist einfache, nachvollziehbare Technik, die das Motorrad ganz
schön flott zum Rennen bringen kann. Freilich darf man den Vergleich
zu heutigen Motoren nicht anstellen. Vergleicht man jedoch das Ergebnis,
muss sich die GS nicht verstecken, den Höchstleistung ist nicht
alles. Das Konzept in sich muss stimmen, dann klappt es auch mit der
flotten Linie auf der Hausstrecke, was einige Spezies der Knieschleiferfraktion
bei Zusammentreffen mit meiner GS auf kleinen Landstraßen mit
bitterer Miene feststellen durften.
Während des Anlassens bei schon merklich kühlen Oktobertemperaturen
muss man erst mal den Choke anständig anziehen. Der Boxer beginnt
ohne Murren sofort seine Arbeit und lässt die Maschine auf dem
Hauptständer ein wenig pendeln und tänzeln. Er arbeitet und
macht keinen Hehl daraus. Das ist Geschmackssache. Ich mag es. Kurz
danach kann der Choke komplett herausgenommen werden. Die GS läuft
mit sehr niedriger Drehzahl so vor langsam vor sich hin, das man denken
könnte, sie ginge jeden Moment aus. Aber sie läuft stabil
und nimmt Gasstöße sofort an.
Dann
die ersten Meter. Wow - endlich wieder GS-Fahren. Wer auf einer GS noch
nicht diese Tausendsassa-Erfahrun-
gen sammeln konnte wie ich, wird meine Begeisterung dafür sicher
nicht nachvollziehen oder teilen können. Schließlich gehört
eine alte GS nicht unbedingt zu den wirklich schönen Motorrädern.
Sie drückt mehr solides Understatement aus.
Natürlich bin ich auf der Landstraße auf die Leistungsent-
faltung des optimierten Zweizylinders gespannt und beginne nach der
notwendigen Warmfahrphase, die GS über verwin-
kelte Landstraßen von Dillingen über die Christgarten-Strecke
in mein fränkisches Hausstreckengebiet zu treiben. Schnell bin
ich die angenehm aufrechte Sitzposition wieder gewohnt. Der Windschutz
der kleinen Verkleidung ist wirkungsvoll und nach einigen Verstellungen
der Scheibe vollkommen frei von Verwirbelungen.
Im fünften Gang, der hier länger übersetzt ist, kann
ich aus niederen Drehzahlen wunderbar beschleunigen. Der Motor stellt
schon ab Standgasdrehzahl ein mächtiges Drehmoment zur Verfügung,
das im Bereich bis 3000 Umin zwar nicht ganz an das meiner alten 1043ccm-GS
heranreicht, danach jedoch mindestens gleichauf kommt. Die höheren
Drehzahlbereiche erklimmt die
Siebenrock-GS subjektiv schneller und dreht williger und zügiger
aus, was sich in einer höheren Endgeschwindigkeit niederschlägt.
War bei meiner bei ca. 175 km/h Schluss, hatte ich mit der Siebenrock-GS
auch schon mal ca. 190 km/h auf der Uhr. Zudem läuft sie ruhiger
und vibrationsärmer, was auf längeren Touren schon ein beträchtlicher
Vorteil ist.
So kommt die Siebenrock-GS meinen Vorstellungen von zügigem Landstraßensurfen
sehr nahe. Fahrwerksmäßig ersetzte man das Originalfederbein
mit einem von Hagon, das seinen Dienst vorzüglich verrichtet. Ich
kann kaum einen Unterschied zum bei meiner GS verbauten White Power
feststellen. Egal, ob ich alleine unterwegs bin oder zu zweit mit Koffern,
die GS bleibt komfortabel und stabil. Bei härterem Speedeinsatz
kann ich ebenfalls keine Schwächen ausmachen. Eine wirkliche Alternative
zu den doch teureren Komponenten von WP oder Öhlins.
Die
nicht gerade berauschende Bremsleistung der Original-Zweikolben-Brembos
optimierte man mit einer Vierkolbenzange gleichen Herstellers und mit
Stahlflex-
leitungen, was ich jedem 2V-GS-Treiber nur empfehlen kann, denn so wartet
die GS mit brauchbaren Verzöge-
rungsleistungen auf.
Natürlich muss ich mit der GS auch in Gelände. Leichtes Gelände
mit Schotterpassagen und trialartigen Anstiegen auf trockenem Gras sind
angesagt. Teilweise sind wir zu zweit auf der GS unterwegs. Und Absteigen
oder Umfahren von kleinen Hindernissen, Gräben etc. braucht's ja
wirklich nicht. Das macht sie alles klaglos mit. Mir gefällt, dass
der Boxer in jeder Lage sauber am Gas hängt und dann, wenn ich
es wirklich brauche, faktisch aus dem Stand mit genügend Leistung
aufwartet. Langsame Trialpassagen sind trotz der 210 kg Leergewicht
dennoch leicht zu nehmen. Der tiefe Schwerpunkt unterstützt das
Handling ungemein.
An einem goldenen Herbstnachmittag bin ich wieder rund um Dillingen
unterwegs, um die Gegend ein wenig zu erkunden. Und es zieht mich wieder
weg von der Landstraße auf einen vielversprechenden Schotterweg,
der schon mal Geschwindigkeiten
um die 100 km/h zulässt. Das ist das Terrain, das ich mit der GS
schon immer geliebt habe. Das ist für mich die reine Entspannung.
Ich fahre und fahre und gelange in einen Wald mit einem Weg, der plötzlich
einfach endet. Die Baumzwischenräume lassen genug Freiraum, um
mich nach Gefühl zu orientieren und einfach drauf los zu fahren.
Auch hier äußert die GS beim äußerst langsamen
Vorwärtstasten über laubbedeckten Waldboden ihre Stärken.
Ich kann sie praktisch ohne schleifende Kupplung so vor sich in bummeln
lassen bis ich wieder auf einen Weg stoße, der mich schließlich
nach gut 20 km wieder an eine Landstraße bringt.
Fazit:
Die Umrüstung hat der ehemaligen 80er GS wirklich gut getan. Hat
eine 800er BMW schon über ein angenehm starkes Drehmoment verfügt,
kann der 1000er Power-Kit doch noch einiges draufsetzen. Vor allem die
in jedem Drehzahlbereich
homogene Leistungsabgabe ist die große Stärke dieses Kits.
Den Kraftstoffverbrauch kann ich nicht beurteilen, da ich während
der Testphase kaum 100 km Landstraße am Stück fuhr. Es waren
zwischendurch immer wieder Offroadpassagen dabei, die bekanntlich den
Verbrauch in die Höhe treiben. Bei dem Mix kam ich jedoch auch
bei sehr zügiger Landstraßenhatz nicht über einen 8-Liter-Verbrauch
hinaus.
Wer seiner "alten" 800er Kuh spürbar mehr Leben einhauchen
möchte, sollte sich die nicht allzu hohe Investition in einen Power-Kit
ruhig überlegen, vor allem, da der Umbau aufgrund des Motorenaufbaus
ohne großen Montageaufwand vonstatten geht und die Verbrauchskosten
nicht steigen. Ein weiterer Vorteil liegt in einer möglichen entspannteren
und motorschonenderen Fahrweise, die durch die Steigerung der Durchzugskraft,
beispielsweise beim schnellen Überholen, erreicht wird, so dass
man nicht mehr so viel runterschalten und drehen muss, um die GS zügig
zu beschleunigen. Wie gesagt, das Gesamtkonzept muss stimmen. Und das
hat Siebenrock mit seiner GS wunderbar kreiert. 
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