Fahrtest mit der neuen
BMW K 1200 GT
Text:
Ralf Kistner
Bilder: Ralf Kistner, Rainer Stuis
Bei BMW-Motorrädern denkt man meist zuerst an die Boxer. Dass die
bayuwarischen Moppedbauer auch standfeste Vierzylinder bauen, ist zwar
auch bekannt, doch werden die K-Modelle von Boxerfahrern eher belächelt
oder ignoriert.
Nichtsdestotrotz hat sich die K-Reihe einen Namen gemacht in der Sparte
der komfortablen und leistungsstarken Tourer. Die K 1200 RS läuft
nun schon seit Jahren erfolgreich und wurde immer wieder in Details
modifiziert und den aktuellen technischen Möglichkeiten von BMW
angepasst.
Die neueste Variante erhielt zudem gleich eine neue Modellbezeichnung:
K 1200 GT (Gran Tourismo).
Die
Basis für die neue GT ist die K 1200 RS. Bekannt der liegende Vierzylinder
mit elektronischer Einspritzung und G-Kat. Bekannt auch, dass der 1200er
Reihenmotor mit 117 NM sauber Drehmoment zur Verfügung hat und
mit 130 PS zwar nicht in eine leistungsmäßige Spitzenposition
fahren kann, jedoch zügiges und sportliches Touren ermöglicht.
Für Sparfüchse ist auch eine 98-PS-Version erhältlich.
Verändert wurden lediglich die Lambda-Sonde, die Beschichtung des
Kats und die Motorsteuerung.
Ich kann von den Veränderungen kaum etwas spüren. Der Motor
springt willig an, braucht aber etwas Temperatur, um sauber am Gas zu
hängen. Im kalten Zustand verschluckt er sich knapp über Standgas
einige Male, als ich beschleunigen möchte. Bei erreichter Betriebstemperatur
ist die Marotte verschwunden, so dass die K ab Standgas sauber anzieht.
Der Motor läuft seidig, brummt und vibriert aber bei ca. 4000 Umin
etwas störend. Ab 6500 Umin kann er mit reichlich Leistung aufwarten,
um bei 8000 Umin nochmal einige Koks nachzulegen bis zum Begrenzer.
Alles durchaus ausreichend, aber nicht berauschend, denn die GT bringt
mit etwas Zubehör und Koffern immerhin über 310 kg Leergewicht
auf die Waage. Ich wünsche mir ab und zu etwas mehr Hubraum, um
beim Überholen nicht gleich zwei Gänge runterschalten zu müssen,
wenn es mal schnell gehen soll. Ansonsten fühle ich mich mit der
K 1200 GT meist ausreichend motorisiert. Und eine Vmax von 245 km/H
ist für dieses mächtige Motorrad doch eine beachtliche Leistung.
Der
Verbrauch liegt zwischen 6 und 8,5 Litern Super bleifrei. Leider nimmt
sich der liegende Vierzylinder auch einige Schluck Öl zur Brust,
so dass meine Testmaschine auf ca. 0,6 Liter Öl auf 1000 km kam.
Was war denn nun an der K 1200 RS noch so zu verbessern, dass sogar
eine neue Modellbezeichnung not tat?
Auf den ersten Blick kommt die GT mit ähnlichem Gesicht daher wie
die RS. Die zweigeteilten Frontscheinwerfer sind K-typisch ebenso wie
die BMW-Niere darunter. Seitlich betrachtet wirkt sie gestreckt und
voluminös, aber im Design aus einem Guss: schnörkellos und
funktional. Zur Erhöhung des Handschutzes verbreiterte man mit
einem Anbau die RS-Verkleidung. Gleiches passierte mit dem Knie- und
Beinschutz. Die
Luftführung an den Füßen verhindert, dass sie dem Spritzwasser
direkt ausgesetzt sind. Zudem ist die GT die erste Maschine, die ich
bisher fahren konnte, die mit einer Fußheizung aufwarten kann.
Die Führung der Abwärme des Motors ist so geschickt angelegt,
dass ich immer bis zu den Knien beheizt bin. Zudem streift außen
die Abwärme aus den seitlichen Verkleidungsöffnungen an meinen
Beinen vorbei.
Eine vorteilhafte Einrichtung, solange die Außentemperaturen sich
in Bereichen aufhalten, in denen man um eine zusätzliche Aufheizung
dankbar ist. Wird es jedoch warm, dann ist die Zusatzheizung eher lästig.
Schnell schwimmt man in seine Stiefeln und wünscht sich ein kühlendes
Fußbad. Hier würde ich mir wünschen, dass man die (vielleicht
ungewollte, aber effektive) Fußheizung mittels einer Luftumleitung
auch abstellen kann.
Der verbreiterte Wetterschutz wirkt effektiv, lässt die K optisch
jedoch dankenswerterweise nicht wesentlich fetter erscheinen. Eine gute
Lösung, wie ich finde.
Das
Fahrwerk bleibt, wie es war. Hinten rollt die GT jedoch serienmäßig
auf einer 5,5"-Felge mit einem 180er Breitreifen. Meine Testmaschine
ist mit dem Bridgestone BT 020 ausgestattet und lässt sich dadurch
leicht durch noch so kleines Kurvengewirr dirigieren. Er ist ggü.
der früher verbauten Metzeler-Mez4-Bereifung eine deutlich spürbare
Verbesserung in allen Lagen, den ich auch für die K 1200 RS nur
empfehlen kann. Allerdings ist die Lebensdauer auf der K durch Gewicht,
Kardankräfte und das hart zupackende Bremssystem eingeschränkt.
Ich denke, bei nomaler Fahrweise sind hinten aber gut 4000 km drin.
Endlich bekam die K 1200 ein elektrisch verstellbares Windschild. Das
in der RS verbaute lässt sich ja nur per Handarbeit verstellen,
was ich persönlich bei einer Maschine dieser Preisklasse umständlich
und popelig fand. Bei der GT geht es nun per Knopfdruck. Das Windschild
fällt größer aus als bei der RS und bietet wirklich
ausreichenden Wetterschutz. Leider kann es nicht ganz turbulenzfrei
arbeiten. Mein Helm ist in allen Positionen des Windschildes mehr oder
weniger starken Verwirbelungen ausgesetzt, was ich als nervig empfinde,
da diese Turbulenzen überflüssige Unruhe und Lautstärke
an den Kopf bringen.
Für
eine angenehmere Sitzposition verbaute man bei der GT einen modifizierten
Lenker, der in der Höhe und der Kröpfung geändert wurde.
Dadurch ist eine aufrechtere Sitzposition möglich. In Verbindung
mit der Komfortsitzbank, die wahlweise auf 79 bzw. 82 cm Sitzhöhe
eingestellt werden kann, ist eine durchweg tourerfreundliche Sitzhaltung
möglich. Und die Sozia freut sich über ein angedeutetes Keilprofil
zwischen ihren Beinen, das das Vorrutschen beim Bremsen zwar nicht ganz
verhindert, jedoch deutlich einschränkt. Zudem kann auch sie die
Vorteile des Wetterschutzes genießen. Längere Autobahnetappen
bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h sind so ohne Probleme zu
absolvieren, was die GT zu einem kilometerfressenden Fernreisedampfer
macht, der Po und Rücken seiner Passagiere schonen kann und schnelles
Vorwärtskommen ermöglicht.
Zur
serienmäßigen Sicherheitsausstattung gehört nun das
Teilintegral-ABS. Die Handbremse aktiviert die Vorder- und Hinterbremse.
Die Fußbremse wirkt nur auf die hintere. Meine Testmaschine ist
zusätzlich mit dem BMW-Bremskraftverstärker ausgestattet.
Ich bin bei der ersten Fahrt schon argwöhnisch an die Bremse herangegangen,
da ich von meinen bisherigen Fahrtests mit BMW-Modellen mit Bremskraftverstärker
noch den ruppigen Einsatz der Stopper in Erinnerung habe, die sich kaum
fein dosieren ließen.
Diese Anlage an der GT ist mustergültig gelungen. Ich bremse mit
ihr fast so wie ohne Kraftverstärkung. Fein dosiert ist jede kleinste
Korrektur meiner Geschwindigkeit möglich. Und ist es notwendig,
auch mal aus 200 km/h den Notanker zu werfen, sind die Verzögerungswerte
trotz des hohen Gewichtes mustergültig bei sehr geringem Handkraftaufwand.
Das ist wirklich bremsen vom Feinsten.
Dank Telelever am Vorderrad bleibt das typische Eintauchen der Vordergabel
aus, so dass auch bei heftigen Bremsattacken der volle Federweg weitgehend
erhalten bleibt.
Vom ABS bin ich nach wie vor nicht so recht überzeugt. Es sind
immer wieder die ersten Regelintervalle, die die Maschine einfach zu
lange ungebremst bzw. zu wenig gebremst rollen lassen und somit wichtigen
Bremsweg verschenken. Das kann eine Honda Pan European mit ihrem ABS
wesentlich besser. Ich denke, hier besteht noch echter Nachbesserungsbedarf,
denn es geht schließlich um Fahrsicherheit in Notsituationen.
Die
GT ist serienmäßig auch mit dem BMW-Koffersystem ausgerüstet.
Die Kofferdeckel werden in der Farbe des Fahrzeuges (orientblau-metallic
oder graugrün-metallic) lackiert. Das sieht schon edel aus. Doch
können die Koffer nicht mit allzu großer Ladekapazität
aufwarten.
Möchte ich meinen Helm einschließen, geht das nur im rechten
Koffer, den ich mit meinem Schuberth Concept Klapphelm bestückt
nur mit sanfter Gewalt verschließen kann und dabei ein schlechtes
Gewissen bekomme, weil der Schließmechanismus und die Scharniere
unter starker Spannung stehen.
Im linken Koffer kann ich dann meine Regenhose und die Sturmhaube unterbringen.
Nein - er hat schon mehr Stauraum, doch ist dieser schlecht zu nutzen,
da der Koffer durch die starke Innenwölbung für größere
Utensilien kaum nutzbar ist. Das empfinde ich für einen Reisetourer
diesen Ausmaßes als echtes Manko.
Für
die kühleren Ausfahrten hält BMW für die GT als Sonderausstattung
Heizgriffe und eine Sitzheizung parat. Ich sehe vor meinem geistigen
Auge nun eine Vielzahl von Lesern, die kopfschüttelnd und mit hartgesottenem
Lächeln vor diesem Bericht sitzen und sich denken, dass dies ja
wohl eine echte Warmduscherausstattung ist, die keiner braucht. Und
es stimmt, die braucht wirklich keiner.
Aber wenn man sie hat, fängt man an, sie zu genießen. Bei
knapp über Null Grad mit warmen Händen, warmem Po und warmen
Füßen, und dabei noch gut windgeschützt, unterwegs zu
sein hinterlässt ein angenehmes Gefühl, das ich gerne genieße,
weil es einfach angenehmer und sicherer ist. Jeder kennt das, wenn man
mit kalten Füßen, Händen und leicht unterkühlt
auf seinem Bock unterwegs ist. Die Konzentration lässt nach. Man
muss öfter Aufwärm-Pausen einlegen und ist nur noch froh,
am Ziel anzukommen.
Mit der "Warmduscher"-Variante habe ich größere
körperliche Reserven und komme wesentlich entspannter an als ohne.
Ich denke, man sollte es einfach mal ausprobieren, um mitreden zu können.
Dann kann man ja ruhig weiter lästern und für sich in Anspruch
nehmen, dass man es nicht braucht. Aber man weiß dann wenigsten,
worüber man redet. Eine Sauna braucht man schließlich auch
nicht, aber man genießt sie;-)
Weitere Sonderausstattung sind der Tempomat und eine niedrigere Sitzbank
(wahlweise mit Sitzheizung) für Sitzhöhen von 77 bzw. 80 cm.
Den Tempomat nutze ich gerne in Autobahnbaustellen oder elendlangen
Etappen mit Geschwindigkeitsbeschränkungen, wo ich mich auf das
Tempo nicht mehr konzentrieren möchte. Ich empfinde es für
diese Situationen als Erleichterung.
Fazit:
Die
K 1200 GT ist die beste RS, die bisher der Kundschaft angeboten wurde.
Die Seriensausstattung ist reichhaltig, was sich aber auch im Preis
von knapp 16 000 .- Euro niederschlägt. Die GT gibt sich gutmütig
beim Fahren und zeigt recht ansprechende Fahrwerte bei komfortablem
Fahrwerk. Das Konzept der Maschine wirkt durchaus stimmig. Man merkt,
dass hier viel Entwicklungsarbeit geleistet wurde
Die GT möchte in ihrem Marktsegment gerne die erste Geige spielen.
Beste Anlagen bringt sie dafür mit, doch sind es schließlich
die Schwächen im Detail, die ihr die Führungsposition in dieser
Klasse kosten.. Ein besseres ABS, ein turbulenzfreier Windschutz und
eine größere Kofferladekapazität würden diese Maschine
perfektionieren.
Und noch ein paar Bilder ...


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