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Alleine,
aber nicht verlassen, fanden sich an diesem wunderschön sonnigen
Tag 2 Singles, um sich für kurze Zeit im Jagsttal gemeinsam
zu vergnügen. Beide brachten jeweils die besten Voraussetzungen
dafür mit.
Der eine hatte Lust und Leidenschaft, auf den kleinen gewundenen
Sträßchen mit oft holprigem Straßenbelag eine zügige Linie zu
ziehen und dabei die bewaldeten und wiesenbewachsenen Talverläufe
zu genießen. Die andere hatte Ambitionen, um ihm den Spaß, den
er sich für diesen Vormittag ausmalte, bieten zu können.
Sie war schon immer ein Single. Entstanden in der Apriliaschmiede
in den frühen 90er Jahren, wurde an ihr beständig modellgepflegt,
bis sie schließlich gegen Ende dieses Jahrhunderts ihr jetziges
Gesicht bekam. Mit ihren großen geschwungenen und durchaus wirksam
vor Fahrtwind schützenden Handprotektoren könnte man meinen,
sie schaue mit leichten Schlappohren in die Welt.
Beide verstanden sich von Anfang an prima. Der Druck auf den
Startknopf erweckte sie aus ihrem Dornröschenschlaf. Willig
nahm sie, obwohl sie schon tagelang in Träumen gelegen hatte,
die Gasgriffmotivationen für mehr Drehzahl an und zeigte ihm,
daß sie bereit war für den Ausflug.
Er nahm sie zwischen seine Schenkel und fühlte sich auf ihrer
breiten und gut gepolsterten Sitzbank sofort wohl.
Alles war zwischen den beiden geklärt. Es konnte nun richtig
losgehen. Er steuerte sie in Richtung der kleinen Landsträßchen,
die nach Langenburg, Bächlingen und Mulfingen führen. Genau
das Terrain, für das sie geschaffen zu sein schien. Sie versuchte,
meist mit ansprechendem Erfolg, ihn von den kleinen Bodenwellen
zu verschonen. Größere waren spürbar, doch war es für sie ein
leichtes, ihm auch hier in Schräglagen ein absolut sicheres
Gefühl zu vermitteln. Er dankte dieses Entgegenkommen mit vermehrten
Benzingaben durch den 33er Mikunivergaser. Sie wiederum fühlte
sich geehrt und setzte diese wohlgemeinten Präsente in Kraft
und Vorwärtsdrang um.
Die Kombination aus der 40 mm Upside-Down vorne, dem robusten
Doppelschleifenrahmen und der massiven Aluschwinge ließ wirklich
nichts aus der Ruhe bringen. Lastwechsel gab sie ihm nicht zu
spüren.
Begeisternd für ihn war die Kraftentfaltung ab 2800 /min. Da
sie motorseitig noch fast jungfräulich war, trieb er sie nicht
bis an ihre Belastungsgrenzen. Der Bereich bis ca. 5000/min
reichte für die gemeinsame Kurvenhatz gut aus.
Beflügelt von 49 rassigen Pferdestärken vermochte die Pegaso
ihm das Gefühl zu geben, daß ihr selten die Puste ausgehen würde.
Im ersten Gang zügig beschleunigt, bäumte sich das beflügelte
Pferd auf und schien ihm zeigen zu wollen, wozu sie kraft ihres
mythologischen Namens gerne imstande wäre.
Bei
aller Singlearbeit blieb er dank werksseitiger Umstellung auf
Gleitlager ab den genannten 2800/min von unschönen Vibrationen
verschont. Drunter schüttelte ihr Kraftzentrum die Maschine
und ihn ziemlich deftig durch.
Die Aprilia konnte ihn aber nicht nur durch unermüdlichen Vorwärtsdrang
überzeugen. Überschüssiges Tempo eliminierte er mit ihren Stoppern
von Brembo wirkungsvoll. Fein dosierbar griff vorne ein Doppelkolbensattel
in die 300 mm Scheibe, hinterseitig gab ein Einkolbenstopper
bissig mit einer 220er Scheibe seinen Senf dazu. In Schräglage
gebremst neigte sie etwas zum Aufstellen.
Nach kurzer Zeit war ihm klar, daß er mit ihr die verbleibende
Zeit seiner Lust entsprechend fröhnen wollte. Leichtfüßig wedelnd
sah man die beiden über die kleinen Landsträßchen huschen.
Nach gut 130 km war der Spaß dann vorbei. Sie mußte bei der
Fa. Scheiterlein wieder in den Stall. Wehmütig trennte er sich
von ihr.
Ihm fiel auf, daß er sich nach den gut 2 Stunden Ausfahrt (mit
Fotopausen fürs Album) immer noch frisch und entspannt fühlte.
Dabei erinnerte er sich an die angenehm aufrechte Sitzposition
und das leichte Handling trotz 200 kg Leergewicht. Seine Hände
und der Brustbereich waren ausreichend vom Winddruck geschützt.
Die Fahrt hätte noch beliebig fortgesetzt werden können. Er
dachte gleich daran, daß die Maschine bei Tourenfahrern sicherlich
viel Freunde finden könnte.
Schade fand er, daß sie ausschließlich nach Super bleifrei verlangte
und sich davon schon gut 6,5 Liter auf 100 km zur Brust nahm.
Auf
seiner Heimfahrt kamen ihm Ausstattungsdetails wie der Gepäckträger
mit 2 guten Haltegriffen für Sozias und dem Kunststoffmotorschutz
vor Augen. Die Verarbeitung machte einen überzeugend robusten
Eindruck auf ihn. Ihr Äußeres zeigte Stil und ein durchdachtes
Design, in dem Funktion und Aussehen zu einer Einheit verschmelzen.
Wer mag, kann sich mit dem Aprilia-Zubehörprogramm sein individuelles
Pferd satteln. Grundpreis ist 11398 .- DM. Die Pegaso Garda
hat für 600.- DM mehr ein Koffersystem und ein in Federung per
Handrad verstellbares Federbein.
Unverständlich war ihm, daß die Pegaso bisher vergleichsweise
wenig Liebhaber fand, machte sie nach seiner Einschätzung der
Kategorie Funduro wirklich alle Ehre.
Der Spaß mit ihr machte ihm wirklich Spaß. Und er wußte, daß
sie sich irgendwann für einen Ausritt wieder begegnen würden.
Stand:
2002-01-26
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